Europas größter Autobauer ist mit einem Absatzsprung ins neue Jahr gestartet und rückt Branchenprimus Toyota immer näher.
Volkswagen verkaufte in den ersten zwei Monaten des Jahres weltweit über eine Million Autos - ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. "In Deutschland und China haben wir neue Höhen erklommen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag in Wolfsburg. "Der Volkswagen-Konzern hat im vergangenen Jahr ordentlich Tempo gemacht. Und auch 2010 schalten wir nicht zurück."
Nachdem der Nettogewinn 2009 um rund 81 Prozent auf nur noch 911 Millionen Euro eingebrochen war, rechnet Winterkorn für dieses Jahr mit höheren Gewinnen, mehr Absatz und höheren Umsatzzahlen. "2009 war für die gesamte Automobilindustrie ein echter Härtetest. Volkswagen hat diesen Härtetest nicht nur bestanden, sondern Stärke bewiesen und die Krise deutlich besser gemeistert als viele Wettbewerber."
VW-Vorzüge führten am Donnerstag die Gewinnerliste im Dax mit einem Plus von bis zu 4,5 Prozent auf 66,60 Euro an. Händler sprachen von Eindeckungskäufen. Zudem spekulierten einige Anleger darauf, dass die für das erste Halbjahr geplante Kapitalerhöhung nicht mehr im vollen Umfang komme.
Den größten Zuwachs zu Jahresbeginn erzielte die Marke VW-Pkw mit plus 29 Prozent, dicht gefolgt von Audi mit einem Zuwachs von 28,7 Prozent. Die tschechische Tochter Skoda steigerte ihre Auslieferungen um ein Drittel, ihre spanische Schwester Seat legte um 18,9 Prozent zu. Dagegen schlug die VW-Nutzfahrzeugsparte 6,3 Prozent weniger von ihren Transporter, Stadtlieferwagen und Freizeitautos los.
Obwohl der VW-Absatz 2009 insgesamt um 1,3 Prozent auf 6,3 Millionen Autos anzog, lag der Umsatz um 7,6 Prozent niedriger - bei 105,2 Milliarden Euro.
Der operative Gewinn brach um 70 Prozent auf 1,9 Mrd Euro ein, weil der Konzern wegen der Abwrackprämien vor allem kleinere Autos verkaufte, an denen weniger verdient wird. Zudem schmälerten negative Währungseffekte von 1,2 Milliarden Euro den Gewinn, die Volkswagen nur zum Teil durch Einsparungen ausgleichen konnte. Als weiteren Grund für den Gewinnrückgang nannte Finanzchef Hans Dieter Pötsch Besonderheiten bei der Abrechnung des Chinageschäfts. Dort verkaufen die Wolfsburger zwar immer mehr Autos, müssen sich den Überschuss aber mit Partnern teilen. Der VW-Nettogewinn fiel nach früheren Angaben 2009 um rund 81 Prozent auf nur noch 911 Millionen Euro.
Winterkorn betonte, trotz Einbruch von Umsatz und Gewinn werde VW an der Strategie 18 plus festhalten. Danach soll der Absatz in drei bis fünf Jahren von jetzt 6,3 Millionen Autos auf acht Millionen Exemplare steigen. Bis 2018 will VW den Absatz sogar auf mehr als zehn Millionen Fahrzeuge pushen. Marktführer Toyota lag 2009 bei 7,8 Millionen Stück.
Winterkorn kündigte für das laufende Jahr ein Modelloffensive mit 70 Neuheiten an. Er nannte als Höhepunkte den neuen Kleinwagen Audi A1 und den erneuerten VW Touareg und den Passat.
Volkswagen erwägt zudem, sich mit einer Wandelanleihe frisches Kapital zu beschaffen. Der Wolfsburger Konzern kündigte ab, sich von der Hauptversammlung am 22. April die Begebung von Options- und Wandelschuldverschreibungen auf bis zu 40 Millionen Vorzugsaktien ermächtigen lassen. "Mit einer solchen Ermächtigung käme ein zusätzliches Finanzierungsinstrument hinzu, das aus unserer Sicht für große Aktiengesellschaften wie Volkswagen zur Erhöhung der Flexibilität in der Finanzierung Standard ist, uns aber derzeit nicht zur Verfügung steht", sagte Finanzchef Hans Dieter Pötsch.
In der Einladung zur dem Aktionärstreffen hieß es, der Vorstand solle bis April 2015 ermächtigt werden, Options- und/oder Wandelschuldverschreibungen im Gesamtbetrag von bis zu 5 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von längstens 20 Jahren zu begeben.
Pötsch hatte bereits Anfang Februar durchblicken lassen, der Konzern müsse das von der außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember genehmigte Kapital von 135 Millionen stimmrechtslosen Vorzugsaktien nicht in vollem Umfang ausschöpfen. Mit der Kapitalerhöhung will Volkswagen die Porsche-Übernahme finanzieren und sich finanziellen Spielraum für weitere Vorhaben verschaffen.









