Europäische Finanzinstitute, darunter die Deutsche Bank, zählen zu den größten Profiteuren der staatlichen Hilfen, mit denen die Regierung in Washington den US-Versicherer AIG bislang vor dem Kollaps bewahrt hat. Mehr als 90 Milliarden Dollar flossen an diverse Banken, seit der Versicherer mit Steuergeld gestützt wird. Das teilte AIG am Sonntag mit.
Zu den europäischen Häusern zählten neben der Deutschen Bank unter anderem Société Générale, BNP Paribas, Barclays, Royal Bank of Scotland, und die Schweizer UBS. Auch US-Institute erhielten von AIG Geld, wie etwa Goldman Sachs und die Bank of America.
Die Tatsache, dass so viel Steuergeld außer Landes geflossen ist, dürfte AIG weitere heftige Kritik einbringen. Am Wochenende war bereits eine Welle der Empörung über den Versicherer hereingebrochen, als bekannt wurde, dass der Konzern Boni von 165 Millionen Dollar an Mitarbeiter ausgezahlt hat. US-Politiker sind zunehmend verärgert über die Verwendung der Steuergelder, mit denen AIG und andere Unternehmen wie Citigroup und Bank of America gestützt werden. AIG-Chef Edward Liddy drohen damit äußerst unangenehme Fragen und Kritik, wenn er am Mittwoch vor dem Kongress zur Rettung des Konzerns aussagen muss.
AIG erhält von der US-Regierung maximal 180 Milliarden Dollar. Die Regierung hat dem einst weltgrößten Versicherer bereits dreimal unter die Arme gegriffen. Sie hat dabei bislang rund 160 Milliarden Dollar in den Konzern gepumpt - die Hilfe kann auf maximal 180 Milliarden Dollar anschwellen. Der Staat hält damit 80 Prozent an dem Konzern. Für das vierte Quartal 2008 hatte AIG einen Rekordverlust von 61,7 Milliarden Dollar gemeldet.
US-Abgeordnete hatten wochenlang auf die Veröffentlichung der Informationen zu den Geschäftspartnern gepocht. AIG und die Notenbank Fed, die den Versicherer faktisch kontrolliert, hatten sich mit dem Verweis auf die Vertraulichkeit der Verträge gewehrt. Sie fürchteten Schaden für AIG, aber auch andere Unternehmen, die auf diesen Märkten aktiv sind.
Insgesamt hat AIG in den dreieinhalb Monaten nach seiner ersten Rettung im vergangenen September etwa 105 Milliarden Dollar an Banken und US-Stadtverwaltungen ausgezahlt. Die Begünstigten sind Kontrahenten bei Geschäften mit Kreditausfallderivaten oder Wertpapieren, die der Versicherer nun abwickelt. Goldman Sachs bekam mit 12,9 Milliarden Dollar am meisten. Es folgen Société Générale mit 11,9 Milliarden Dollar und die Deutsche Bank mit 11,8 Milliarden Dollar. Stadtverwaltungen in US-Staaten wie Kalifornien erhielten 12,1 Milliarden Dollar.










