07.08.2008
Seite  1 | 2 | 3 | 4 | 5

Aidsinfizierte Frau in Uganda
Aidsinfizierte Frau in Uganda
Foto: dpa

Werte

Sie können auch anders

Manager gelten als geldgierig, egozentrisch, abge­hoben. Um die soziale Kompetenz ihrer Führungskräfte zu schulen, konfrontieren immer mehr Unternehmen ihre Top-Leute mit Armut, Elend, Tod – und erzielen damit eine nachhaltige Wirkung.

Vor der Tür, der letzten, die ihn noch vor der direkten Berührung mit Aids bewahrt, will Frank Schmidt plötzlich umdrehen. Er hat Angst. Fürchtet er doch, dass der kranke Mann hinter der Tür ihn gleich sehr herzlich umarmen wird. So wie das in Afrika bei einer Begrüßung nun mal üblich ist. Schmidt weiß zwar mit Unwägbarkeiten umzugehen, als Berater von Private-Equity-Firmen gehören schwierige Milliardendeals zu seinem Alltag. Aber dieses Risiko hier scheint ihm für einen Moment zu groß. Dann geht die Tür auf, der Manager tritt ein in die mit Holzbalken und Plastikfolien notdürftig zusammengehaltene Hütte, von denen es in diesem Slum unzählige gibt. Auf dem schmutzigen Linoleumboden liegt ein Mann, er richtet sich langsam auf, reicht dem Fremden die Hand.

Diese Szene spielte sich im vergangenen Jahr in Uganda ab. Schmidt verbringt zwei Mona­te in der Hauptstadt Kampala, um ein Bild davon zu bekommen, wie sich die Versorgung psychisch Kranker in dem ­armen Land verbessern lässt. Er spricht mit dem Gesundheitsminister, dem Leiter eines Krankenhauses und besucht die Betrof­fenen im Slum: Menschen, die an Epilepsie, Depressionen oder Schizophrenie leiden, ohne Medikamente dahinsiechen und zudem oft aidskrank sind.

Schmidt, bei der Beratung Pricewaterhousecoopers (PWC) Leiter der M&A-Steuerabteilung, gehört zum Nachwuchs der deutschen Wirtschafts­elite und damit künftig zu jener Gruppe, die hierzulande als abgehoben und egoistisch verschrien ist. Meldungen über Millionengehälter, schwarze Kassen und Steuerhinterziehung haben das eh schon angekratzte Image der Kaste weiter beschädigt. Doch Manager können auch anders. Sofern sie die Gelegenheit finden, über den Tellerrand zu blicken und an der Gesellschaft mit Engagement teilzuhaben. Genau da aber liegt das Problem.

Denn gerade den jungen aufstrebenden Führungskräften kann es leicht passieren, dass sie allein schon ihrer extremen zeitlichen Arbeitsbelastung wegen jede Bodenhaftung verlieren. Viele verkehren auf den Tep­pich­etagen nur noch unter ihresgleichen; in einer eigenen, elitären Welt. "Leider sind die meisten im Management weit von der Realität ihrer Mannschaft entfernt", beob­achtet Rolf Dahlems, Seniorpartner der Personalberatung Signium International. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn sich mehr Führungskräfte privat zumindest zeitweise auch um gesellschaftliche Brennpunkte küm­merten. "Denn derlei Einsätze erhöhen das soziale Verständnis, sorgen für ein wenig Demut und verbessern den Umgang mit den eige­nen Mitarbeitern."


Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


 
 
Capital - Suche
 
Marktinformationen
DAX Tops Diff %
Metro
Merck
Fresenius
Flops
ThyssenKru
Dt.Lufthan
RWE
DAX 6.324,37 -1,73%
TecDAX 754,08 -1,11%
EUR/US 1,2594 -0,68%
GOLD 1.543,00 -1,65%
Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
Aktualisierte Fassung 2012
PartnerangebotImmobilien suchen in ...