Vor der Tür, der letzten, die ihn noch vor der direkten Berührung mit Aids bewahrt, will Frank Schmidt plötzlich umdrehen. Er hat Angst. Fürchtet er doch, dass der kranke Mann hinter der Tür ihn gleich sehr herzlich umarmen wird. So wie das in Afrika bei einer Begrüßung nun mal üblich ist. Schmidt weiß zwar mit Unwägbarkeiten umzugehen, als Berater von Private-Equity-Firmen gehören schwierige Milliardendeals zu seinem Alltag. Aber dieses Risiko hier scheint ihm für einen Moment zu groß. Dann geht die Tür auf, der Manager tritt ein in die mit Holzbalken und Plastikfolien notdürftig zusammengehaltene Hütte, von denen es in diesem Slum unzählige gibt. Auf dem schmutzigen Linoleumboden liegt ein Mann, er richtet sich langsam auf, reicht dem Fremden die Hand.
Diese Szene spielte sich im vergangenen Jahr in Uganda ab. Schmidt verbringt zwei Monate in der Hauptstadt Kampala, um ein Bild davon zu bekommen, wie sich die Versorgung psychisch Kranker in dem armen Land verbessern lässt. Er spricht mit dem Gesundheitsminister, dem Leiter eines Krankenhauses und besucht die Betroffenen im Slum: Menschen, die an Epilepsie, Depressionen oder Schizophrenie leiden, ohne Medikamente dahinsiechen und zudem oft aidskrank sind.
Schmidt, bei der Beratung Pricewaterhousecoopers (PWC) Leiter der M&A-Steuerabteilung, gehört zum Nachwuchs der deutschen Wirtschaftselite und damit künftig zu jener Gruppe, die hierzulande als abgehoben und egoistisch verschrien ist. Meldungen über Millionengehälter, schwarze Kassen und Steuerhinterziehung haben das eh schon angekratzte Image der Kaste weiter beschädigt. Doch Manager können auch anders. Sofern sie die Gelegenheit finden, über den Tellerrand zu blicken und an der Gesellschaft mit Engagement teilzuhaben. Genau da aber liegt das Problem.
Denn gerade den jungen aufstrebenden Führungskräften kann es leicht passieren, dass sie allein schon ihrer extremen zeitlichen Arbeitsbelastung wegen jede Bodenhaftung verlieren. Viele verkehren auf den Teppichetagen nur noch unter ihresgleichen; in einer eigenen, elitären Welt. "Leider sind die meisten im Management weit von der Realität ihrer Mannschaft entfernt", beobachtet Rolf Dahlems, Seniorpartner der Personalberatung Signium International. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn sich mehr Führungskräfte privat zumindest zeitweise auch um gesellschaftliche Brennpunkte kümmerten. "Denn derlei Einsätze erhöhen das soziale Verständnis, sorgen für ein wenig Demut und verbessern den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern."









