21.08.2009
JP Morgan Chase ist vor Goldman Sachs der größte Akteur auf dem CDS-Markt.
JP Morgan Chase ist vor Goldman Sachs der größte Akteur auf dem CDS-Markt.
Foto: dpa-PA

Weniger Akteure

Derivaterisiko für Banken steigt

von Christine Mai (Frankfurt)

Massenvernichtungswaffen - so nennt US-Investor Warren Buffett Kreditausfallderivate. Eine neue Studie scheint ihn zu bestätigen: Die Konzentration auf dem Markt sei deutlich gestiegen, warnt die Ratingagentur Fitch.

Für die großen Banken wächst das Risiko aus Kreditderivaten. Einer Untersuchung der Ratingagentur Fitch zufolge halten einige Institute auf dem 26.000 Milliarden Dollar großen Markt für Kreditausfallderivate (Credit Default Swaps, CDS) mittlerweile sehr große Anteile, das Kontrahenten-Risiko hat sich dadurch erhöht.

CDS-Kontrakte sind eine Art Versicherung für Anleihen: Dabei übernimmt ein Marktteilnehmer, häufig eine Bank, den Part des Versicherers. Gegen eine Gebühr verpflichtet sich der Versicherer zu zahlen, wenn eine Anleihe ausfällt. Investoren, die den Schutz kaufen, müssen dann einen Bond der Pleitefirma liefern und erhalten dafür die Versicherungssumme.

Im Zuge der Kreditkrise schraubten die Banken ihr Engagement bei Derivaten zurück, um das Kontrahentenrisiko zu verringern. Ereignisse wie der Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers hatten gezeigt, wie anfällig der Markt für die Schocks ist, die entstehen, wenn ein wichtiger Akteur ausfällt. Viele Beobachter betrachten den CDS-Markt als Risiko für das gesamte System.

Das Volumen des CDS-Marktes ist in den vergangenen Monaten deutlich geschrumpft. Das Ausfallrisiko verteilt sich aber auf weniger Akteure, da Banken wie Lehman Brothers und Merrill Lynch nicht mehr existieren beziehungsweise übernommen wurden. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), in der die Zentralbanken vertreten sind, hatte vor einigen Monaten ebenfalls vor steigenden Derivaterisiken für die Banken gewarnt.

Nach der Fitch-Studie entfallen 67 Prozent des Ausfallrisikos auf die zehn größten Gegenparteien. Ende 2006, als die Ratingagentur den Markt zuletzt untersuchte, waren es noch 62 Prozent. "Dies und die Tatsache, dass die Top-Fünf-Institute für 88 Prozent des gesamten Nominalwerts stehen, der ge- und verkauft wurde, spiegelt die wachsende Konzentration und das gestiegene Kontrahentenrisko auf dem CDS-Markt wider", heißt es in dem Papier.

Fitch untersuchte 26 Banken in elf Ländern, die auf dem CDS-Markt aktiv sind. Bis Ende 2008 hatten diese Institute Versicherungen auf 13.800 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten verkauft und Versicherungsschutz für 13.900 Milliarden Dollar an Schulden gekauft.

Verschiebung in der Rangliste

Um das Risiko einzudämmen, wird die Einrichtung zentraler Clearingstellen vorangetrieben. Bislang werden die Kontrakte außerbörslich gehandelt. Die zentralen Abwickler sollen das Gegenparteirisiko absorbieren, indem sie als Käufer und Verkäufer für jeden Marktteilnehmer auftreten. In der EU etwa müssen seit Ende Juli CDS auf europäische Unternehmen sowie auf diesen Kontrakten basierende Indizes über Clearingstellen abgewickelt werden.

Die US-Bank JP Morgan Chase ist der Fitch-Studie zufolge zum größten Akteur auf dem Markt geworden und hat damit Goldman Sachs auf Platz zwei abgedrängt. Es folgen Barclays, die Deutsche Bank und Morgan Stanley.


Quelle: ftd.de
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