Es gibt wieder mehr Geld: Bei der angeschlagenen HSH Nordbank können Vorstandsmitglieder demnächst weit über eine Million Euro verdienen. Die Gehaltsgrenze von 500.000 Euro für Vorstandsmitglieder wird gekippt, wie Aufsichtsratschef Hilmar Kopper in Hamburg mitteilte. Mit Alterversorgung können die Topmanager der tief defizitären Bank nach dem neuen Modell maximal 1,35 Millionen Euro pro Jahr beziehen. Der Aufsichtsrat muss das Modell noch genehmigen, wovon Kopper ausgeht.
Vorher hatten die Hamburger Landesregierung und der Kieler Landtag den Weg zu den höheren Bezügen frei gemacht. Schon im November hatte der Kieler Landtag mit den Stimmen von CDU und FDP die Vergütungsgrenze von 500.000 Euro für Vorstandsmitglieder der HSH gekippt.
Das Limit war eingezogen worden, nachdem die Bank im Frühjahr mit Steuer-Milliarden vor der Pleite gerettet werden musste. Der Vorstand hatte die gemeinsame Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein mit riskanten Spekulationsgeschäften in die roten Zahlen getrieben. Die Bank selbst rechnet frühestens im Jahr 2011 wieder mit schwarzen Zahlen.
Das neue Vergütungsmodell hat einige Barrieren eingebaut. Demnach muss die Bank im Jahr 2012 wieder in der Lage sein, eine Dividende zu zahlen, ehe die Prämien fließen. Bis dahin werden die Beträge angespart. Außerdem müssen die Vorstände mit Rückforderungen rechnen, falls sich Entscheidungen später als falsch herausstellen.
Bank findet ohne Erhöhung keine Top-Manager
Konkret sieht das neue Modell so aus: 500.000 Euro Grundgehalt plus 100.000 Euro Alterversorgung pro Jahr. Dazu kommt eine Prämie von 60 bis 150 Prozent dem Grundgehaltes, also 300.000 bis 750.000 Euro, falls vorher festgelegte Ziele erreicht werden. Maximal kommen so 1,35 Millionen Euro zusammen. Ohne die Erhöhung könne die Bank kaum fähige Topmanager finden, erklärte Kopper.
Die SPD-Opposition in Hamburg und Kiel kritisierte die Gehaltspläne: "Das neue Gehaltsmodell der HSH Nordbank ist unangemessen und moralisch fragwürdig. In einer Situation, in der die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für diese Bank bürgen, ist diese Erhöhung von Vorstandsvergütungen nicht hinnehmbar", erklärten die Landeschefs Olaf Scholz und Ralf Stegner.
Die HSH Nordbank rutscht derzeit von Quartal zu Quartal tiefer in die roten Zahlen. Das Institut fuhr in den ersten neun Monaten 2009 einen Nettoverlust von rund 821 Millionen Euro ein. Das Minus für 2008 hatte 2,8 Milliarden Euro betragen.
Die Bank musste daraufhin von Hamburg und Schleswig-Holstein mit einer Kapitalspritze und Milliardenbürgschaften vor dem Untergang bewahrt werden. Ursache der Verluste waren Spekulationen mit faulen Wertpapieren. Die HSH Nordbank gehört zu rund 85,5 Prozent den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, zu 5,3 Prozent den Sparkassen in Schleswig-Holstein und zu 9,2 Prozent Finanzinvestoren um den US-Anleger J.C. Flowers.
Quelle: capital.de
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