Es wurden also 500-Mio-Geschäfte von Leuten ohne Verantwortung gegengezeichnet?
Der Aufsichtsratschef der angeschlagenen HSH Nordbank, Hilmar Kopper, hat Vorstandschef Dirk Nonnenmacher sein Vertrauen ausgesprochen. Dabei stützte sich Kopper auf ein Gutachten der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, die Nonnemacher in Bezug auf eine verlustträchtige Transaktion von der Verantwortung freisprach.
Konkret geht es um zwei Kreditgeschäfte Ende 2007 namens "Omega", "Omega 52" und "Omega 55". Die HSH hatte Risiken von Immobilienkrediten für 7,6 Milliarden Euro an
BNP Paribas, Lehman Brothers und
Hypo Real Estate verkauft. Was damals gegenüber der Öffentlichkeit unterschlagen wurde: Die Landesbank übernahm ihrerseits Risiken der anderen Banken und steckte sie in außerbilanzielle Zweckgesellschaften über eine Firma mit dem Namen "Omega Capital Funding" im irischen Dublin. Das unterschrieben die Vorstände, obwohl das Risikomanagement sowie Wirtschaftsprüfer von KPMG das Geschäft monierten. Es entstand ein Schaden von 500 Millionen Euro.
Kopper: Nonnenmacher hatte keine Kreditverantwortung
Nonnenmacher geriet diese Woche wegen Omega unter Druck. Kopper teilte am Mittwoch dazu mit: "Die Kanzlei bestätigte, dass die Entscheidung des Vorstands zu Omega 52 zu einem Zeitpunkt getroffen wurde, als Dirk Jens Nonnenmacher diesem Gremium noch nicht angehörte." Weiter führte Kopper aus: "Omega 55 wurde von den zuständigen Vorständen genehmigt und von Herrn Nonnenmacher gemeinsam mit den übrigen Vorstandsmitgliedern gegengezeichnet. In der seinerzeitigen Funktion als Finanzvorstand hatte Herr Nonnenmacher keine direkte Kreditverantwortung. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bestätigte den Sachverhalt."
"Der Aufsichtsratsvorsitzende sieht sich daher in seinem uneingeschränkten Vertrauen in den Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher bestätigt", so Kopper.
Weitere Fälle wie Omega habe es bei der HSH wohl nicht gegeben. "Im Rahmen der Erweiterung der Jahresabschlussprüfung 2008 wurde umfassend untersucht, ob es vergleichbare Fälle gab. Im Zuge der Untersuchung sämtlicher Transaktionen an allen Standorten konnte ein vergleichbarer Fall ausgeschlossen werden", sagte Kopper.
Freshfields Bruckhaus Deringer wurde beauftragt, zum Ende des Monats einen Zwischenbericht vorzulegen. "Dem Aufsichtsrat der Bank wird es dann möglich sein, eine umfassende Bewertung der Arbeit des Vorstands in den vergangenen Jahren vorzunehmen", hieß es weiter in der Mitteilung Koppers.
NordLB suspendiert London-Chef
Die Nord/LB suspendierte derweil den früheren Leiter der Londoner HSH-Filiale, Luis-Marti-Sanchez. "Er ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden", sagte ein Sprecher der Landesbank am Mittwoch. Zu den genauen Gründen der Entlassung machte die Bank keine Angaben.
Das Institut reagiert mit der Entlassung offenbar auf Ermittlungen der Londoner Polizei gegen Sanchez. Dieser wird verdächtigt, Vermögensdelikte zu Lasten der HSH Nordbank begangen zu haben. Der Spanier war im August 2006 zur HSH gestoßen und Anfang 2007 Leiter von deren Londoner Niederlassung geworden. Ihm und seinen dortigen Mitarbeitern wird angelastet, die Omega-Wertpapiere zeitweise falsch verbucht zu haben. Als dies entdeckt wurde, musste die Bank 500 Millionen Euro anschreiben. Sanchez schied Ende 2008 bei der HSH aus.
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