Die Bundeskanzlerin war informiert, der Bundesfinanzminister natürlich auch. Die Staatsanwaltschaft ermittelte seit elf Tagen. Und das Präsidium des Telekom-Aufsichtsrates kannte erste Details. Am Sonntag, den 25. Mai um 15 Uhr, erfuhr dann auch Capital-Redakteur Reinhard Kowalewsky, 48, per Handyanruf, dass er im Mittelpunkt einer äußerst unappetitlichen Affäre steht: „Hallo Herr Kowalewsky“, meldete sich Philipp Schindera, Kommunikationschef der Deutschen Telekom, und erwischte den Redakteur, der gerade um den Essener Baldeneysee radelte, völlig kalt: „Der ,Spiegel’ berichtet seit gestern von einem Spitzelskandal bei der Telekom. Wir wissen vieles noch nicht, aber eines wissen wir ganz genau: Es gibt einen bereits aufgeklärten Einzelfall, nach dessen Auffliegen im vergangenen Sommer der gesamte Sicherheitsapparat umgebaut wurde. Sie, Herr Kowalewsky, sind der Einzelfall. Es tut mir sehr leid.“
Der umstrittenste deutsche Konzern, bei dem die Regierung in Berlin noch 32 Prozent kontrolliert, hat seinen bisher schlimmsten Skandal – und die Bundesrepublik eine weitere spektakuläre Affäre. Durch einen an den „Spiegel“ lancierten Brief kam heraus, dass nach Rheingold – so lautete der Codename für die monatelange Bespitzelung des Capital-Redakteurs – weitere illegale Aktionen gegen wohl mehr als zehn Journalisten stattgefunden haben (Codename Clipper). Es geht um das Auswerten von Hunderttausenden Telefondaten, möglicherweise aber auch um noch viel perfidere Methoden: persönliche Beschattung, Erstellen von Bewegungsprofilen, Installieren von Kameras – und das alles, um ein paar undichte Stellen in den eigenen Reihen zu finden.










