02.10.2008
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Foto: dpa

Stresstest

Wie krisenfest ist die Deutsche Bank?

von Leo Müller

Wie krisenfest ist Deutschlands wichtigstes Geldhaus wirklich? Kreditanalytiker haben mit einem Stresstest untersucht, wie die internationalen Großbanken gegen weitere kritische Schläge gewappnet sind. Das Resultat ist wenig beruhigend.

Die Deutsche Bank steht im öffentlichen Ansehen wie ein Fels in der Brandung. Doch angesichts der dramatischen Entwicklung der Finanzkrise darf die ketzerische Frage erlaubt sein: Kann auch die Deutsche Bank zusammenbrechen?

In Zürich haben unabhängige Kreditanalysten von der Firma Independent Credit View (ICV) zum zweiten Mal in einer groß angelegten Untersuchung errechnet, wie gefährdet die wichtigsten Banken der Welt sind. Die Resultate ihres ersten Stresstests, der im Februar erstellt wurde, haben sich auf frappierende Weise bewahrheitet. Als Wackelkandidaten erkannten sie vor einem halben Jahr die Investmentbanken Bear Stearns, Merrill Lynch und Lehman Brothers sowie die Schweizer Großbank UBS. Bear Stearns war drei Monate später insolvent und wurde von J. P. Morgan übernommen. Merrill Lynch musste im September in einer Notaktion von der Bank of Amerika aufgekauft werden, Lehman landete gleichzeitig vor dem Konkursrichter. Nur die UBS konnte sich im Frühjahr – gerade noch rechtzeitig – in einer dramatischen Aktion mit neuem Kapital von ausländischen Staatsfonds in Höhe von 13 Milliarden Franken absichern.

In diesem ersten Stresstest schnitt auch die Deutsche Bank nicht gut ab. Sie landete damals im ICV-Ranking auf einem kritischen Platz, gleichauf mit der UBS und wesentlich schlechter positioniert als zum Beispiel J. P. Morgan, die Citigroup, die Bank of America oder die Credit Suisse.

Im September haben die Zürcher Risikoexperten in einem neuen Stresstest, der Capital Online vorliegt, 25 Banken untersucht, wie sie bei einer weiteren Verschlechterung der Krise dastehen. In ihrer Simulation gehen die Kreditanalytiker von der Annahme aus, dass die Banken weitere Wertberichtigungen auf ihren Vermögen vornehmen müssen, die auf verbrieften amerikanischen Hypothekarforderungen sowie gehebelten Krediten und Kreditversicherungen beruhen. Auf den direkten Krediten kalkulierten sie mit einer Verdopplung des Rückstellungsbedarfs gegenüber den letzten vier Quartalen. Ihre Modellannahmen sind moderat: Verbriefte Hypotheken schlechter Qualität schreiben sie in ihrem Modell zum Beispiel um 20 Prozent ab, obwohl laut marktüblichen Indizes derzeit bis zu 80 Prozent abzuschreiben wären. Und bei gehebelten Firmenkrediten ("Leveraged Loans") kalkulierten, dass diese zehn Prozent an Wert verlieren.

Unter dieser Vorgabe wurden alle verfügbaren Daten über Bonität, Geschäftsstrategie, Liquidität, Risikosituation, Kreditportfolio, Gewinnschwankungen und Ertragssituation gewichtet.


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