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19.07.2011
Frans van Houten, CEO von Philips
Frans van Houten, CEO von Philips
Foto: Philips

Sparprogramm

Neuer Philips-Chef rasiert Konzern

von Klaus Max Smolka

Das Elektronikunternehmen gilt für viele Endverbraucher und Industriefirmen als Konjunkturindikator. Das geplante Sanierungsprogramm von Konzernchef van Houten hat daher Symbolcharakter für die gesamte Branche - und wird wohl auch vor Stellenabbau nicht haltmachen.

Der Mischkonzern Philips nimmt wegen der unsicheren Konjunktur und überteuerter Zukäufe ein umfangreiches Sparprogramm in Angriff. 500 Mio. Euro will der neue Konzernchef Frans van Houten in den kommenden dreieinhalb Jahren einsparen - und dabei auch Stellen streichen. "Ich glaube nicht, dass wir 500 Mio. Euro sparen können, ohne dass wir hier auch auf die Arbeitsplätze schauen müssen", sagte van Houten gestern im holländischen Nachrichtensender Radio 1. Nach einem Milliardenverlust im zweiten Quartal versucht er zudem, Investoren mit einem Aktienrückkauf zu besänftigen.

Die Probleme des niederländischen Unternehmens illustrieren die wackelige wirtschaftliche Lage in den westlichen Ländern. Der Konzern ist mit seiner breiten Produktpalette für Endverbraucher und Industrie ein Konjunkturindikator im Kleinen. Drei Fünftel der 5,2 Mrd. Euro Umsatz im zweiten Quartal kamen aus Westeuropa und Nordamerika. Philips stellt in seinen drei Sparten Medizintechnik, Beleuchtungssysteme und Haushaltsgeräte her. Mäßiges Verbrauchervertrauen und Sparmaßnahmen der staatlichen Gesundheitssysteme belasten das Geschäft.

Auch der deutsche Konkurrent Siemens spürt erste Anzeichen für ein Abflauen des Aufschwungs, wie Finanzvorstand Joe Kaeser unlängst auf einem Analystentag sagte. Im Detail informiert der Münchner DAX-Konzern am 28. Juli über den Geschäftsverlauf.

Mit dem Sparprogramm wird Philips-Chef van Houten dreieinhalb Monate nach Amtsantritt seinem Ruf als Sanierer gerecht. Dabei geht er vor, wie es neue Konzernführer häufiger tun: gleich am Anfang die Lage als schwierig darstellen, was künftige Leistungen in einem besseren Licht erscheinen lässt. So senkte das Unternehmen gestern die Margenziele für 2013.

500 Mio. Euro sollen eingespart werden

Auch hohe Abschreibungen sind ein Phänomen, das häufig zu Beginn einer Amtszeit zu beobachten ist. Um insgesamt 1,4 Mrd. Euro senkte Philips den Wert von vier Unternehmen, die der Konzern in den vergangenen fünf Jahre gekauft hatte. Allein bei der 2007 erworbenen Firma Respironics in der Medizinsparte korrigierte er ihn um 450 Mio. Euro nach unten. Van Houten begründete dies mit schwächeren Wachstumsaussichten. Implizit ist das ein Zugeständnis, dass Philips für die Tochtergesellschaft zu viel bezahlt hat, wie auch Rabobank-Analyst Hans Slob urteilte.

Der neue Konzernchef kann die Verantwortung dafür abschieben: Er ist zwar ein alter Philips-Mann, hatte das Unternehmen aber 2006 verlassen, weil die von ihm geleitete Halbleitertochter mehrheitlich an Finanzinvestoren ging. Zunächst führte van Houten den neuen Konzern mit dem Namen NXP weiter. Bei seinem Start an der Spitze von Philips im April kündigte der Manager an, Schwachstellen aufdecken zu wollen. So gliederte er die chronisch kriselnde Fernsehsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen aus.

Die Wertberichtigungen führten im zweiten Quartal zu 1,3 Mrd. Euro Verlust. Operativ blieb ein kleiner Gewinn übrig - dass dieser geringer ausfallen würde als ursprünglich erwartet, hatte Philips bereits vor vier Wochen gemeldet. Die 500 Mio. Euro Kosten, die Philips einsparen will, sollen je zur Hälfte bis Ende 2012 und in den beiden darauffolgenden Jahren anfallen. Philips sei zu komplex und müsse mit weniger Managementebenen auskommen, sagte van Houten. Zugleich solle mehr in das Asien-Geschäft und in Kundenkontakte investiert werden.

Bis Mitte 2012 will Philips für 2 Mrd. Euro Aktien zurückkaufen. Üblicherweise werden bei einem solchen Programm die Aktien eingezogen, der Gewinn pro Papier erhöht sich. Die Aktie schloss gestern mit einem Minus von knapp einem Prozent.


Quelle: ftd
© 2011 capital.de

Was die Leser sagen

Flora Nedwil
20.07.2011 | 09:43
Mit Bonstrat fing das Unglück an.

Wenn man die Entwicklung von Philips über die letzten 20 Jahre verfolgt hat, so kommt man zu dem Schluß, dass jede Umstrukturierung und jede Sparmaßnahme den Wert des Konzerns verringert haben. An den Aktienkursen kann man das deutlich ablesen. Bei den Vorständen scheint das noch nicht angekommen zu sein (nicht nur bei denen von Philips). Sie schlachten munter weiter! Aus einem durch Loyalität in der Belegschaft und in der Kundschaft getragenem Unternehmen ist ein internationales Handelsunternehmen geworden, mit geringer Kundenbindung und mit einer Beliebigkeit im Erscheinungsbild, die seinesgleichen sucht. Da Philips auch als gesellschaftlicher Faktor z.B. als Arbeitgeber immer unatraktiver wird, kann man getrost zusehen, wie es wohl bald von der Bildfläche verschwinden wird.

(Kommentare 1-1 von 1)

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