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20.05.2011
Griechenland
Griechenland
Foto: Getty

Schuldenkrise

Griechische Anleihen fallen auf Rekordtief

Die Sorge um eine Restrukturierung der griechischen Schulden ist wieder aufgeflammt. Die Zinsen für Ägais-Bonds haben ein Rekordniveau erreicht. Die Europäische Zentralbank schließt einen Umschuldung des Landes weiter rigoros aus - die Märkte glauben ihr aber nicht.

Griechische zehnjährige Anleihen sind auf ein Rekordniveau von 16,75 Prozent gestiegen. Die Renditedifferenz zwischen den Bonds und Bundesanleihen gleicher Laufzeit hat sich damit auf ein Rekordhoch von 1365 Basispunkten ausgeweitet. Auch kürzerlaufende Anleihen zogen deutlich an. Die Absicherungskosten gegen einen griechischen Kreditausfall kletterten auf 1343 Basispunkte. Sie liegen damit nur noch 26 Basispunkte unter dem am 9. Mai markierten Rekord von 1369 Basispunkten. Auch die Anleihen anderer Euro-Peripheriestaaten gerieten unter Druck. Vor allem spanische Bonds zogen an. Am Wochenende stehen in dem Land Wahlen an.

Die Märkte belastet weiter die Sorge um eine mögliche Pleite Griechenlands und eine mögliche Umschuldung. Ein radikaler Schnitt wird von Politik und Europäischer Zentralbank (EZB) zwar weiter rigoros ausgeschlossen. Um ihren Standpunkt zu verdeutlichen, gab die EZB bekannt, dass sie im Falle einer Staatspleite Griechenlands die Anleihen des Landes nicht mehr als Sicherheit annehmen werde. Der Leiter der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker brachte aber zu Wochenbeginn eine sanfte Umschuldung als Möglichkeit aufs Parkett.

Experten gehen jedoch davon, dass es trotz der Sparbemühungen der Griechen nicht ohne eine Umschuldung gehen wird. "Es ist klar, dass die EZB gegen jede Form von Restrukturierung ist. Aber die Märkte rechen fest damit, dass genau das früher oder später passiert", sagt Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets der Nachrichtenagentur Bloomberg. Aus diesem Grund würden sich Investoren von ihren Peripheribonds trennen und stattdessen deutsche Anleihen kaufen.

In der kommenden Wochen will die griechische Regierung ein Paket mit Ausgabenkürzungen von etwa 6 Mrd. vorstellen. Zudem sollen Staatsaktiva im Wert von 50 Mrd. Euro verkauft werden. Mehrere Banken, darunter Deutsche Bank und Credit Suisse, haben ein Mandat erhalten, um mögliche Auswege aus der Krise zu erarbeiten.

Kritik gab es nun auch von der Bundesbank an den griechischen Sparbemühungen. "Durch die Hilfskredite und die zwischenzeitliche Absenkung der für sie zu entrichtenden Zinsen sind die europäischen Partner in erhebliche Vorleistung getreten", schrieb die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Die griechische Regierung stehe deshalb in der Verantwortung, ihr Defizit durch zusätzliches Sparen wie versprochen zu drücken.

"Eine Aufweichung der Zielvorgaben würde sowohl die Schuldentragfähigkeit Griechenlands als auch die Glaubwürdigkeit künftiger europäischer Vereinbarungen zusätzlich infrage stellen", warnen die Bundesbanker. Die Sanierung des Staatshaushaltes und die notwendigen Wirtschaftsreformen seien zweifelsohne mit erheblichen Schwierigkeiten und Härten verbunden", schrieb die Bundesbank. "Sie sind aber letztlich unvermeidbar zur Wiederherstellung tragfähiger Staatsfinanzen und Voraussetzung für die Hilfszahlungen, ohne die der Anpassungspfad noch wesentlich härter ausfallen würde." Auch Portugal und Irland werden kritisiert.

Ökonom zweifelt

"Das Programm Griechenlands ist außer Plan", daran änderten auch die Aktivaverkäufe kaum etwas, sagte der Ökonomen Nouriel Roubini in einem Interview. "Selbst wenn sie die 50 Mrd. Euro innerhalb von fünf Jahren beschaffen, wird das nichts ändern. Eine Umschuldung ist keine Alternative zu Sparmaßnahmen, sondern ergänzt sie." Griechenland habe 2012 und 2013 eine "Refinanzierungslücke" von jeweils 30 Mrd. Euro, sagte Roubini. Griechenland könnte umschulden, indem es Anleihen mit niedrigeren Zinsen und längeren Laufzeiten ausgebe. Denn es sei unwahrscheinlich, dass das südosteuropäische Land "in den nächsten fünf bis zehn Jahren wieder Zugang zu den Märkten erhält", so Roubini.

Das griechische Haushaltsdefizit wird Schätzungen zufolge die im EU-Rettungsplan festgelegte Obergrenze überschreiten und dieses Jahr 9,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) erreichen, gab die EU-Kommission am 13. Mai bekannt. Das angepeilte Ziel liegt bei 7,5 Prozent vom BIP. Die Gesamtverschuldung - im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt bereits die höchste im Euroraum - dürfte in diesem Jahr auf 158 Prozent vom BIP klettern und im nächsten Jahr den höchsten Stand bei 166 Prozent erreichen. "Ein Großteil der fiskalpolitischen Verfehlungen ist nicht auf mangelnde Anstrengungen zurückzuführen. Das Programm hat zu einer stärkeren Rezession geführt als erwartet", sagte Roubini.


Quelle: ftd.de
© 2011 capital.de

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