01.03.2010
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Toyota eröffnete Ende Januar eine Lithium-Mine in Argentinien.
Toyota eröffnete Ende Januar eine Lithium-Mine in Argentinien.
Foto: Shutterstock

Rohstoffe

Die Jäger der verborgenen Bodenschätze

von Lukas Heiny, Hamburg

Weltweit ringen Industriestaaten um die wertvollsten Ressourcen der Erde. Längst geht es nicht mehr um Erdöl und Gas, sondern um seltene Metalle für das Elektroauto-Zeitalter. Beim Verteilungskampf mischen Autohersteller und Technologiekonzerne kräftig mit.

Hirobumi Kawano hat seine Kommandozentrale im Kawasaki Tower, hoch oben, hinter viel Glas und Stahl. Hier, südlich von Tokio, residiert der Manager mit den zurückgekämmten grauen Haaren, der dafür sorgen soll, dass Japans Wirtschaft auch in Zukunft brummt.

Seit zwei Jahren steht der frühere Chef des zweitgrößten japanischen Stahlkonzerns an der Spitze einer Staatsfirma names Japan Oil, Gas and Metals Corporation, kurz Jogmec. Sein Jahresbudget: umgerechnet 16 Milliarden Euro. Seine Mission: Japans Konzernen strategisch wichtige Rohstoffe sichern - und sei es im hintersten Winkel der Welt.

Kawano versteht sich als Diplomat, doch er ist eher ein Jäger verborgener Bodenschätze. Im Auftrag der Industrie verhandelt er mit Regierungsvertretern in Australien, Bolivien oder Kasachstan, er durchquert Afrika, begutachtet Minen, Salzseen und unzugängliche Gebirgsregionen.

Es geht um Öl, Gas und Kupfer - und zuletzt immer häufiger um die maßgeblichen Rohstoffe des 21. Jahrhunderts: Lithium, Neodymium, Wolfram und andere seltene Metalle. Metalle, ohne die viele Hightechprodukte made in Japan undenkbar wären - und deren Rolle mit Anbruch des Elektrozeitalters künftig noch wichtiger wird.

Auch deshalb muss Kawano schnell sein. Denn längst sind es nicht mehr nur Regierungen und Rohstoffkonzerne, die Reviere abstecken. Neuerdings lassen auch Autohersteller und Technologieunternehmen nach seltenen Metallen graben. Sie knüpfen Netze aus Förder- und Versorgungsaufträgen, um sich den Nachschub zu sichern.

Für Aufsehen sorgte Ende Januar Toyota. Der weltgrößte Autohersteller, führend im Elektroauto-Segment, kündigte an, mithilfe des staatlichen Rohstoffjägers Kawano eine Lithium-Mine in Argentinien zu eröffnen. Über die Tochterfirma Toyota Tsusho wollen die Japaner dort gemeinsam mit einem australischen Minenunternehmen Lithium abbauen. Der Konzern braucht den Rohstoff für Lithium-Ionen-Batterien, mit denen ab 2012 die neuen Prius-Modelle ausgestattet werden sollen. Versorgungsengpässe seien in den nächsten fünf Jahren zwar nicht zu erwarten. "Wenn man sich das aber über zehn Jahre anschaut, könnte es in der Versorgung sehr eng werden", sagt ein Toyota-Tsusho-Manager.

Die Zweigfirma des Autokonzerns beteiligt sich nun mit 25 Prozent an dem Minenprojekt und besorgt einen Großteil der Finanzierung von rund 120 Millionen Dollar. Dafür erhält Toyota bevorzugte Rechte, das künftig billig geförderte Lithium zu kaufen. Auch andere Unternehmen, vor allem Batteriehersteller aus China, hatten sich um das Geschäft bemüht. Doch Toyota hatte einen Trumpf: Hirobumi Kawano.

Erstmals hat sich der Jogmec-Präsident als Wegbereiter in einen Lithium-Deal eingeklinkt - und Toyota Tsusho einen günstigen Staatskredit organisiert. Seltene Metalle wie Lithium seien essenziell für Japans Industrie, ließ er anschließend verkünden. Auch die Technologiekonzerne Panasonic, Sony und Sharp sind an einer sicheren Versorgung interessiert. "Wenn andere Länder wie China in Minen auf der ganzen Welt investieren, wollen auch wir aggressiver auftreten und dem privaten Sektor helfen, sich die Rohstoffe zu sichern", sagte ein Sprecher.

Gefunden bei
www.ftd.de

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