18.12.2009
Joseph Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG.
Joseph Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG.
Foto: Getty

Pläne der Deutschen Bank

Ackermann schröpft notfalls Aktionäre für Bonisteuer

von Patrick Jenkins, James Wilson, Nina Luttmer und Tobias Bayer

Großbritannien verlangt von Bankern eine Steuer auf Boni - die könnte auch Aktionäre der Deutschen Bank treffen. Denn Institutschef Ackermann will alle Angestellten des Geldinstituts gleich behandeln.

"Wir werden das klar globalisieren. Es wäre unfair, die britischen Banker anders zu behandeln", sagte Ackermann im Interview mit der "Financial Times".

Ackermann räumte ein, dies könnte dazu führen, dass die Aktionäre der Deutschen Bank von der Steuer getroffen werden. "Wir werden beobachten, was andere Banken machen - welcher Teil der Kosten von den Angestellten und welcher Teil von den Aktionären getragen wird", sagte er.

Die britische Regierung hatte angekündigt, dass in diesem Jahr ausgeschüttete Boni mit 50 Prozent besteuert werden - ausgenommen Gehaltsprämien von weniger als 25.000 Pfund. Die Maßnahme gilt ab sofort, aber nur bis Anfang April 2010. Besteuert wird nicht jeder Banker einzeln, sondern der gesamte Prämienpool.

Manager befürchten, es könnte zu einem Streit in den Instituten führen, wenn ein Banker in New York deswegen mehr Lohn erhält als ein Mitarbeiter in London. Folgt man Ackermanns Aussagen, wird die Steuer allerdings dazu führen, dass zwar der britische Staat verdient, aber Angestellte in Deutschland oder Frankreich oder die Aktionäre das Geld mit aufbringen.

Profitieren könnte die Deutsche Bank dagegen von anderer Seite von den britischen Verhältnissen: Am Donnerstag sickerte durch, dass sich Deutschlands größtes Geldhaus in Gesprächen über den Kauf des US-Rohstoffhändlers RBS Sempra Commodities befindet. Sempra gehört zu 51 Prozent der angeschlagenen britischen Bank Royal Bank of Scotland, die sich wegen Auflagen der EU-Kommission von der Tochter trennen muss. Der Rest der Firma gehört dem US-Versorger Sempra. Mit beiden befinde sich die Deutsche Bank in Gesprächen, hieß es. Auch Barclays, Goldman Sachs und Morgan Stanley seien an dem Kaufobjekt interessiert.

 

Mit dem Zukauf würde die Deutsche Bank ihre Stellung im Rohstoffgeschäft stärken. Der für das Investmentbanking zuständige Vorstand Anshu Jain hatte erst am Dienstag gesagt, die Bank wolle in diesem Segment zu einem der ersten fünf Spieler unter den Banken werden. Derzeit sei sie die Nummer sechs. Er hatte bereits mögliche Zukäufe angekündigt.

Analysten schätzen den Wert von RBS Sempra auf umgerechnet rund 2 Milliarden Euro. Die Rohstoffhandelssparte erzielte nach Angaben der Royal Bank im Geschäftsjahr 2008 einen operativen Gewinn von 209 Millionen Pfund (236 Millionen Euro ). Um die Übernahme zu stemmen, müsste die Deutsche Bank wahrscheinlich eine Kapitalerhöhung durchführen. Das Institut hatte erst diese Woche erklärt, es benötige keine Kapitalerhöhung - es sei denn für Zukäufe.

Der Handel mit Öl, Gas, Strom, Metallen und Emissionsrechten gilt für Banken als Zukunftsmarkt. Nicht nur die Deutsche Bank versucht, ihr Engagement auszubauen. Die Bank of America kündigte im August an, ihr Rohstoffteam über die nächsten zwei bis drei Jahre um 25 Prozent aufzustocken. Barclays will bis Ende des Jahres 320 Rohstoffspezialisten beschäftigen, 30 Prozent mehr als 2008. Credit Suisse will rund 100 Experten zusätzlich einstellen.


Quelle: ftd
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