Mit dem Aufkommen der Kommentarfunktion zu Artikeln im Netz hat sich eine neue Infektion pandemieartig verbreitet: Logorhoe! Unter Umgehung aller cerebralen Funktionen wird hier geistiger Dünnpfiff verfasst der sich einer Bettpfanne als unwürdig erweist.
@ hanne: Wir haben hier in der Klinik noch ein Isolationszimmer frei und Sie sind herzlich eigeladen, sich von Ihrer Krankheit zu erholen. Heilungschancen sehe ich bei dem Schwerergrad allerdings keine.
Wie Klaus Rodens das nervt! Wenn die Eltern seiner kleinen Patienten in seiner Praxis stehen, ihn mit "ihren halbseidenen Pseudoinfos aus dem Internet" bombardieren und dann spezielle Medikamente bestellen. Meine Tochter hustet so stark, sie braucht Mucosolvan. Mein Sohn kommt in der Schule nicht mit, er benötigt die Psychopille Ritalin.
Der Kinderarzt, der seit 1993 eine Praxis in Langenau bei Ulm hat, nimmt sich dann fünf Minuten Extrazeit und erklärt den Müttern und Vätern ausführlich, was ihr Kind wirklich hat und braucht. Oft ohne Erfolg: "Wenn die sich das in den Kopf gesetzt haben, dann wollen sie auch ein Rezept", sagt Rodens.
Umbruch im Milliardenmarkt der Arzneimittelhersteller
Früher haben sich Patienten auf den Rat ihres Arztes verlassen. Er stellte die Krankheit fest und bestimmte die Therapie. Doch die Zeiten sind vorbei. Bevor die Kranken heute in die Sprechstunde kommen, haben sie meist ausführlich über ihr Leiden recherchiert und wollen Einfluss auf die Behandlung nehmen.
Das ärgert nicht nur die Ärzte, sondern sorgt für einen Umbruch im Milliardenmarkt der Arzneimittelhersteller. Wolf-Dieter Ludwig, Chefarzt für Hämatologie und Onkologie am Helios Klinikum Berlin-Buch, beobachtet schon seit Längerem, "wie die pharmazeutische Industrie ihr Interesse von den Ärzten hin zu den Patienten verlagert".
Der immer härtere Konkurrenzkampf und der Kostendruck führen dazu, dass Pharmakonzerne massiv und systematisch Patienten vereinnahmen, um die Verkaufszahlen ihrer teuren Medikamente hochzutreiben. Statt das Treiben zu unterbinden, heizt die Politik es mit der Gesundheitsreform auch noch an.
Zwar ist es in Deutschland verboten, für verschreibungspflichtige Medikamente zu werben, doch die Unternehmen haben ihre ganz eigenen Kanäle, um Patienten von ihren Präparaten zu überzeugen: scheinbar unabhängige Informationsportale, Broschüren zu diversen Krankheiten oder Patientenorganisationen, die sie als Botschafter für ihre Interessen einspannen.
Der pseudoinformierte Patient
Das hat fatale Folgen: Die Patienten fühlen sich aufgeklärt, fallen in Wahrheit aber oft nur auf die Marketingtricks der Pharmaindustrie herein. Die Kosten tragen die Kranken, weil sie manchmal nicht die beste oder gar eine unnütze Therapie erhalten. Und die Gemeinschaft der Krankenversicherten.
34,2 Mrd. Euro gaben allein die gesetzlichen Krankenversicherungen 2009 für Medikamente aus. Tendenz steigend. Der Großteil des Umsatzes entfällt dabei auf wenige teure Präparate (siehe Grafik unten).
Die Gesundheitsreform wird diesen Trend noch verschärfen: So können Mediziner einfacher als bislang teure Präparate verordnen. Gleichzeitig sinkt der Druck auf die Ärzte, ihr Arzneimittelbudget nicht zu überschreiten. Und Patienten können künftig auf ihre Wunschpillen bestehen, auch wenn die Krankenkasse für ein anderes Mittel einen Rabattvertrag abgeschlossen hat. Sie müssen bloß die Mehrkosten dafür tragen.
Wie lukrativ das Umgarnen der Kranken sein kann, zeigt eine Studie aus den USA. Dort ist Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente erlaubt. Jeder Dollar, der in Direktwerbung investiert wird, belegt die Studie, bringt im Schnitt das Doppelte ein, bei manchen Medikamenten sogar das Vierfache.

Was die Leser sagen
@hanne:
sie müssen die Hände aufmachen wenn das Hirn vom Himmel fällt...nicht zumachen!Auuuuuuuuuufmachen!!!
Wenn man nicht mehr weiter weiß, holen wir doch einfach mal als informierte Büger die Nazikeule raus- hat ja immer gut gewirkt. Da ich selbst Ärztin bin kann ich solche Anfeindungen nicht unkommentiert lassen. Apropos @ hanne: lernen Sie bitte erstmal schreiben, bevor sie ihre geistigen Ergüsse hier publizieren. Davon kriegt man als aufgeklärte Ärztin ja Augentinnitus---man sieht nur noch Pfeifen!
Liebe Hanne,
Immer schön alles in einen Topf schmeissen und umrühren.Die Pharmaindustrie hat diese Impfungen beworben, was meinste denn wieviele Ärzte das schwachsinnig fanden? Seid wann ist es gut für immunschwache Patienten geimpft zu werden? Diese Panikmache sollte ordentlich Kohle in die Taschen der Pharmaindustrie bringen , damit hatten die Ärzte nichts zu tun. Auch dort gab es zwei Lager und das zweite hat sich selbst nicht impfen lassen. Also immer erst nachdenken bevor man alles vermischt!!!!!!!!!
@ iris
"Was man wohl die ganzen 6 Jahre an der Uni lernt"
Genau das habe ich mich auch gefragt als Behörden, Schulen und Kinderärzte bei der Pharma Abzocke Schweinegrippe uns impfen wollten?
@ Der Unfallchirurg
"Wieso dürfen Eltern wie sie überhaupt Kinder kriegen"
"Besuche bei Scharlatanen sollten für Kassenschweine umsonst sein, denn bei richtigen Ärzten haben solche Vollpfeifen mal gar nichts zu suchen"
Als informierten Assistenzarzt müssten sie wissen, das ihre Ansicht über "Kassenschweine" die damaligen informierten SS richtigen Ärzte in der Nazizeit die gleiche Einstellung hatten!
Ein großes Lob für Sie! Toll, dass Sie sich als Wirtschaftszeitung dieser Themas annehmen.
So langsam nervt diese Einstellung der Patienten, als Arzt wolle man sie nur kränker machen. Ich frage mich oft warum die Leute die Notfallambulanz überbevölkern, um anschliessend den Arzt zu belehren das ihr Heilpraktiker das besser kann und man ja garnicht da sein möchte.......mhmmm aber warum gehen sie dann fleissig in die Ambulanz und nicht zum Heilpraktiker? Und warum kommen sie dann freiwillig in dieses "böse" Krankenhaus? Wär die Gesundheit ein Gut für das man aus der eigenen Tasche bezahlen müsste und würde nicht jeder Hinz und Kunz die teuersten Operationen bekommen die die Lebenszeit verlängern, würden Patienten auch das Wissen ihrer Ärzte mehr schätzen........
Was man wohl die ganzen 6 Jahre an der Uni lernt, wenn ein kurzer Besuch bei Wikipedia einen zum informierten Bürger macht?........Wer hinterfrägt denn das Wissen das Wikipedia dort verbreitet? Würde ich dort schreiben, das das Gehirn unser eigentliches Verdauungsorgan ist.....es gäb Leute die das glauben würden.
So langsam nervt diese Einstellung der Patienten, als Arzt wolle man sie nur kränker machen. Ich frage mich oft warum die Leute die Notfallambulanz überbevölkern, um anschliessend den Arzt zu belehren das ihr Heilpraktiker das besser kann und man ja garnicht da sein möchte.......mhmmm aber warum gehen sie dann fleissig in die Ambulanz und nicht zum Heilpraktiker? Und warum kommen sie dann freiwillig in dieses "böse" Krankenhaus? Wär die Gesundheit ein Gut für das man aus der eigenen Tasche bezahlen müsste und würde nicht jeder Hinz und Kunz die teuersten Operationen bekommen die die Lebenszeit verlängern, würden Patienten auch das Wissen ihrer Ärzte mehr schätzen........
Was man wohl die ganzen 6 Jahre an der Uni lernt, wenn ein kurzer Besuch bei Wikipedia einen zum informierten Bürger macht?........Wer hinterfrägt denn das Wissen das Wikipedia dort verbreitet? Würde ich dort schreiben, das das Gehirn unser eigentliches Verdauungsorgan ist.....es gäb Leute die das glauben würden.
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