08.04.2010
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Russland will am wachsenden Energiehunger der EU kräftig verdienen.
Russland will am wachsenden Energiehunger der EU kräftig verdienen.
Foto: Getty

Nord Stream

Startschuss für Milliardenprojekt Ostsee-Pipeline

Sie soll russisches Gas direkt nach Deutschland leiten. Nach langem Ringen und vielen Rückschlägen beginnt der Bau der umstrittenen Pipeline direkt durch die Ostsee - auch durch Hilfe von Altkanzler Schröder.

Nach fünf Jahren harten Ringens startet am Freitag offiziell der Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream. Schon vor dem Festakt mit Kremlchef Dmitri Medwedew wurden ersten Rohre in der Ostsee verlegt. Mit dem Bau der rund 1220 Kilometer langen Pipeline vom russischen Wyborg nach Lubmin bei Greifswald sehen sich auch Moskaus Regierungschef Wladimir Putin und Altkanzler Gerhard Schröder am Ziel. Gemeinsam haben sie das 2005 beschlossene Vorhaben durchgeboxt, das lange von den baltischen Staaten und Polen sowie Umweltschützern kritisiert wurde.

Deutschland und die Europäische Union versprechen sich von der 7,4 Milliarden Euro teuren Leitung durch die Ostsee mehr Energiesicherheit. Russland will am wachsenden Energiehunger der EU kräftig verdienen.

Wenn der erste von zwei Strängen Ende 2011 Gas von Russland in die EU pumpt, sollen auch die Energiekrisen wie zuletzt in der Ukraine Geschichte sein. Das Transitland bleibt zwar ein wichtiger Partner. Doch ist der Ruf seit den "Gaskriegen" mit Russland angekratzt. Zuletzt saßen im Januar 2009 auch in Osteuropa viele Menschen im Kalten, weil Moskau im Streit um Lieferpreise mit Kiew den Gashahn zugedreht hatte.

Seit der Wahl von Viktor Janukowitsch zum ukrainischen Präsidenten bessern sich zwar die Beziehungen zwischen Moskau und Kiew. Allerdings muss die finanziell gebeutelte Ukraine ihr marodes Pipeline-Netz rundum erneuern. Ein Plan für die Sanierung mit Kosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro ist bislang nicht in Sicht. Die Probleme in der Ex-Sowjetrepublik veranlassten Russland - ungeachtet vieler Bedenken - die Pipeline durch die Ostsee anzustoßen.

"Gas-Putin" und Chef-Lobbyist Schröder

Rückendeckung erhielt "Gas-Putin", wie Moskaus Medien den früheren Kremlchef oft nennen, von Altkanzler Schröder. Dieser wurde nach seiner Amtszeit Vorsitzender beim Aktionärsausschuss des russisch dominierten Betreiberkonsortiums Nord Stream. Als Chef-Lobbyist sollte er Misstrauen gegen das Projekt aus anderen Ostseeländern ausräumen. Zudem band der russische Gasmonopolist Gazprom als Mehrheitseigner bei der Nord Stream AG die europäischen Energiekonzerne Eon, BASF/Wintershall und aus den Niederlanden Gasunie als Teilhaber mit ein.


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