18.08.2009
Banken sollten Firmeninsolvenzen nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnen Ökonomen.
Banken sollten Firmeninsolvenzen nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnen Ökonomen.
Foto: dpa-PA

Neue Kreditausfälle

Experten erwarten zweite Bankenkrise

Gerade erholen sich die Geldinstitute, da droht eine neue Runde im Überlebenskampf: Die Folgen der Firmeninsolvenzen belasten laut Ökonomen nun mit voller Wucht Sparkassen und Volksbanken.

Immer mehr Experten befürchten eine zweite Runde der Bankenkrise bei Sparkassen und Volksbanken. "Die Krise der Mittelständler, die sich bei Banken Kredite geliehen haben, schlägt jetzt vor allem auf die Sparkassen und Volksbanken durch", sagte Professor Rudolf Hickel vom Bremer Institut Arbeit und Wirtschaft laut "Bild"-Zeitung.

Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise warnt dem Bericht zufolge davor, die Folgen der Firmeninsolvenzen zu unterschätzen: "Die Belastung durch Insolvenzen und Kreditausfälle wird in einer zweiten Welle kommen." Dennoch werde die zweite Bankenkrise nicht das Ausmaß der ersten Finanzkrise haben, da die Institute besser vorbereitet seien als vergangenen Herbst. Außerdem betrieben die Banken massive Risikovorsorge. Schutz böten zudem die bereits aufgespannten Rettungsschirme der Regierung.

Anklopfen beim Soffin

Zuvor hatte bereits Bundesbank-Präsident Axel Weber vor weiteren Problemen durch Kreditausfälle infolge von mehr Pleiten bei Firmen und Privatleuten gewarnt. Die deutschen Banken und Sparkassen seien noch nicht über den Berg. Einige könnten auch noch beim Bankenrettungsfonds Soffin vorstellig werden.

Zwar habe die deutsche Wirtschaft mit dem leichten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal die Talsohle erreicht. Aber Weber warnte: "Die Arbeitslosigkeit wird steigen, wenn die Kurzarbeit ausläuft. Das könnte den Konsum belasten, dürfte aber die Erholung insgesamt nicht gefährden, höchstens deren Dynamik schwächen."

Die Bundesbank hatte für 2009 mit einem gesamtwirtschaftlichen Minus von sechs Prozent gerechnet. Weber sagte jetzt, vermutlich dürfte es etwas günstiger laufen. Von der nächsten Bundesregierung fordert der Notenbankpräsident einen schnellen Abbau der stark gestiegenen Staatsschulden. "Das muss ein zentrales Element des Koalitionsvertrages sein", forderte Weber.

Mahnung an Banken

Er fügte an: "Auch der europäische Stabilitätspakt und die nationale Schuldenbremse gebieten eine entschlossene Haushaltskonsolidierung." Wenn die Ausgaben aber nicht drastisch heruntergefahren würden, wären höhere Steuern unvermeidbar. Er mahnte auch die Banken erneut, den Firmen genügend Darlehen zur Verfügung zu stellen. "Wir gehen davon aus, dass unsere Appelle ernst genommen werden."


Quelle: ftd.de
© 2009 capital.de

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