06.04.2010
Die mobile Kommunikation erobert auch den Innenraum von Flugzeugen.
Die mobile Kommunikation erobert auch den Innenraum von Flugzeugen.
Foto: Getty

Netzabdeckung

Es gibt viel zu stopfen

von Georg Dahm

Bisher galt in Flugzeugen ein absolutes Handy-Verbot. Das wird sich in naher Zukunft ändern. Die Airbus-Tocher On-Air macht den Einsatz von Mobilfunk am Himmel möglich. Andere Funklöcher wie in Zug und Auto sollen auch gefüllt werden. Die letzten digitalen Ruhezonen werden langsam abgebaut.

So kann man das Thema Rücksicht auch abhandeln: "Wenn Sie einen ruhigen Flug wollen, nehmen Sie eine andere Airline", kommentierte Ryanair-Chef Michael O’Leary 2007 die Einführung des Mobilfunkempfangs in 50 seiner Jets. Telefonieren, SMS, Internet – alles möglich dank der Technik der Airbus-Tochter On-Air. Eine Außenantenne sorgt für die Verbindung zum Satelliten, in der Kabine erzeugt eine Kabelantenne ein Funknetz, so schwach, dass es die Bordelektronik nicht stört.

Arabische und asiatische Fluglinien wie Qatar Airways, Egypt Air und Hong Kong Airlines haben den Dienst bestellt, British Airways nutzt ihn auf Businessclassflügen von London nach New York, jedoch nur für SMS, E-Mail und Internet.

On-Air ist nicht der einzige Anbieter, der auf iPhone- und Blackberry-Junkies setzt. Panasonic und der Telefonkonzern Telenor haben den ersten Kunden für ihr System Exconnect gewonnen: die Lufthansa. Ab Mitte 2010 gibt es in den ersten Langstreckenfliegern W-Lan und Handynetz – für SMS und Daten.

Die Bahn funkt

Auf US-Inlandsflügen breitet sich W-Lan bereits rasant aus. Der Neuling Aircell hat seinen deutlich billigeren Dienst Gogo unter anderem an Virgin, Delta, American und United Airlines verkauft. Das mit 100.000 Dollar vergleichsweise günstige System nutzt eigene Mobilfunktürme, für die Aircell eine Frequenz ersteigert hat. Beobachter räumen Aircell gute Chancen ein, kritischer sehen sie den Herausforderer Row 44. Sein 320.000 Dollar teures System funktioniert dank Satellit zwar weltweit, einziger Kunden ist bisher aber die US-Linie Southwestern. Weiterer Herausforderer ist die Fluglinie Jetblue, die ebenfalls eine Frequenz ersteigert hat und verschiedene Techniken und Preismodelle erprobt.

Satellit oder Funkmast? Die Frage spaltet auch die Bahnlandschaft. Während der französische Schnellzug Thalys seit 2006 W-Lan-Zugang per Satellit bietet, setzt die Deutsche Bahn auf UMTS – die Sender lassen sich in den vielen Tunneln montieren. 1500 Schienenkilometer hat der Partner T-Mobile bisher ausgestattet, auf den Strecken Hamburg–Frankfurt und Dortmund–München bieten Hotspots im Zug Internetzugang. Auf allen anderen Strecken sind Passagiere noch auf eigene UMTS-Karten und die Netzabdeckung ihres Providers angewiesen. Bis 2011 will die Bahn alle ICEs mit Empfangsverstärkern ausstatten. Die neue IC-Generation wird dann ab 2015 höchsten Mobilfunkansprüchen genügen.

Auch die Straße geht online: Bisher bieten vor allem Premiumhersteller wie BMW und Daimler externe Antennen und Hotspots für den Innenraum. Mittelfristig wird das Internet aber selbst bei Klein- und Mittelklassewagen Bestandteil der Bordsysteme, Prototypen haben der Zulieferer Continental und der Netzausstatter Alcatel-Lucent vorgestellt.

Die Hersteller wollen nicht nur den Fahrer beglücken: Ein vernetztes Auto lässt sich auch aus der Ferne warten und in Verkehrsleitsysteme einbinden. Den Durchbruch erwartet die Branche, wenn die neue Mobilfunkgeneration LTE flächendeckend stabile Verbindungen erlaubt. 2016 rechnet die Marktforschungsfirma iSuppli weltweit mit 62,3 Millionen internetfähigen Autos.


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