12.11.2009
Der Preisverfall für Solarmodule auf dem deutschen Markt macht den Anbietern zu schaffen.
Der Preisverfall für Solarmodule auf dem deutschen Markt macht den Anbietern zu schaffen.
Foto: dpa

Minus trotz hoher Nachfrage

Solarbranche steckt in der Klemme

von Corinna Kreiler

Sie waren die Shootingstars der deutschen Wirtschaft, nun haben Q-Cells, Conergy und Phoenix Solar ein katastrophales drittes Quartal hinter sich: Ihre Ergebnisse enttäuschen auf ganzer Linie - obwohl Sonnenanlagen begehrt sind.

Die sonnigen Zeiten sind in der deutschen Solarbranche schon seit einer Weile vorbei, derzeit sieht es allerdings richtig finster aus. Der Umsatz des Hamburger Unternehmens Conergy halbierte sich in den ersten neun Monaten des Jahres beinahe. Auch die Konkurrenz leidet: Q-Cells schnitt im dritten Quartal deutlich schlechter ab als erwartet, Phoenix Solar strich nach einem drastischen Einbruch des Geschäfts das Umsatzziel für das Gesamtjahr zusammen.

Schuld an der schlechten Lage der Branche ist der Preisverfall für Solarmodule auf dem deutschen Markt und die Konkurrenz aus Asien. Hersteller aus Fernost nehmen mit extrem preisgünstigen Modulen den deutschen Rivalen immer mehr Geschäft ab. Chinesische Solarunternehmer verdoppelten ihren weltweiten Marktanteil binnen zwei Jahren auf mehr als 30 Prozent. Sie können im Schnitt 30 Prozent günstiger produzieren als die Deutschen, schätzen Experten.

Die Nachfrage nach neuen Energien ist zwar ungebrochen. Allein neue Solaranlagen produzierten laut Bundesnetzagentur in den ersten neun Monaten des Jahres 1471 Megawatt - so viel wie ein größeres Kernkraftwerk. Wegen des Preisverfalls wirkt sich das allerdings nicht auf die Gewinne der Solarunternehmen aus. Zusätzlich verschärfen wird sich die Situation im kommenden Jahr, da die Bundesregierung zum Jahresende die Förderung für die Einspeisung von Solarstrom ins Netz kappt. Die Nachfrage nach neuen Anlagen wird demzufolge eher sinken als steigen.

Q-Cells kommt bereits im dritten Quartal nicht aus den roten Zahlen: Der Konzern verbuchte im Zeitraum Juli bis September netto einen Verlust von 248,2 Millionen Euro - Experten hatten mit 100 Millionen Euro weniger Minus gerechnet. Vor Jahresfrist stand noch ein Gewinn von 74 Millionen Euro.

Bis zum Spätherbst des vergangenen Jahres hatte der Konzern aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt noch nichts von der Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Erst im Dezember 2008 wurden die Geschäftseinbrüche deutlich und Firmenchef Anton Milner schockte die bis dahin erfolgsverwöhnte Branche mit seinen Prognosen. Anfang 2009 rauschte Q-Cells tief in die Verlustzone.

Nicht viel besser sieht es bei Conergy aus: Das Geschäft des Hamburger Herstellers brach im dritten Quartal ein, der Umsatz lag mit 140,2 Millionen Euro rund 40 Prozent unter dem Vorjahreswert und auch gut 20 Millionen Euro niedriger als im Vorquartal. Trotzdem konnte Conergy seinen Nettoverlust auf 20 Millionen Euro deutlich reduzieren. Vor einem Jahr hatte Conergy einen Fehlbetrag von 77,5 Millionen Euro ausgewiesen. Das Unternehmen kämpft seit der Beinahe-Pleite Ende 2007 ums Überleben. Seitdem hat es weiter in jedem Quartal rote Zahlen geschrieben. Dennoch propagiert Vorstandschef Dieter Ammer Optimismus: 2010 will er wieder schwarze Zahlen schreiben.

Düster ist die Lage auch bei Phoenix Solar aus dem bayerischen Sulzemoos: Das Unternehmen, das 90 Prozent seiner Aufträge in Deutschland verbucht, strich wegen des Geschäftseinbruchs bei Großprojekten sein Umsatzziel für 2009 zusammen. Die Firma erwartet nun nur noch Erlöse zwischen 430 bis 480 Millionen Euro, statt wie vorher 520 Millionen Euro.

Das dritte Quartal lief für Phoenix Solar ähnlich desaströs wie bei der Konkurrenz. Unter dem Strich blieben noch 1 Millionen Euro übrig, das sind 12 Millionen Euro weniger als vor einem Jahr - Anleger reagierten enttäuscht: Die Branche zählte am Donnerstag prompt zu den größten Verlierern bei den Technologiewerten im TecDax. Der Aktienkurs von Pheonix Solar brach zeitweise um 4,4 Prozent ein, für Q-Cells ging es 3,7 Prozent bergab.

Zumindest eines hat Phoenix Solar seiner Konkurrenz immer noch voraus: Das Unternehmen peilt in diesem Jahr einen Gewinn an.


© 2009 ftd.de

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