22.04.2009
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Foto: dpa-PA

Konjunktur

IWF prophezeit Deutschland Minus von 5,6 Prozent

von Mark Schörs und Birgit Marschall

Düstere Aussichten für Deutschland: Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass die Wirtschaftsleistung um 5,6 schrumpft. Die acht führenden Forschungsinstitute sagen sogar ein Minus von sechs Prozent voraus. Und die Hoffnung für 2010 schwindet.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für die deutsche Wirtschaft drastisch nach unten geschraubt: Für 2009 erwarten die IWF-Volkswir­te, dass sie um 5,6 Prozent schrumpft. Das geht aus ihrem am Mittwoch veröffentlichten, halbjährlichen Weltwirtschaftsausblick hervor. Im Januar-Bericht waren sie noch von einem Minus von 2,5 Prozent ausgegangen.

Auch für 2010 prognostiziert der IWF nun ein Schrumpfen der Wirtschaftsaktivität um 1,0 Prozent. Zuvor hatte er erwartet, sie würde stagnieren beziehungsweise um 0,1 Prozent zulegen.

Nach Einschätzung des IWF wird die anhaltende Wachstumsschwäche deutliche Spuren am deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen. Für 2009 sagt er einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 9,0 Prozent voraus - gegenüber 7,3 Prozent im abgelaufenen Jahr. 2010 sieht er sie sogar auf 10,8 Prozent anschwellen. Höher lag die Quote zuletzt 2003 mit 11,7 Prozent.

Die Inflation in Deutschland sieht der IWF in diesem Jahr im Durchschnitt bei 0,1 Prozent. Für 2010 sagt er sogar ein Minus von 0,4 Prozent voraus. Das dürfte Diskussionen befeuern, ob sich in Deutschland eine deflationäre Spirale aufbauen könnte. Für die Euro-Zone insgesamt sagt der IWF einen leichten Anstieg der Teuerung von 0,4 in diesem auf 0,6 Prozent im nächsten Jahr voraus.

Defizit der öffentlichen Haushalte steigt stark

Die Prognose des Währungsfonds macht die jüngst aufgekeimte Hoffnung auf eine baldige Erholung zunichte. Auch zahlreiche Forschungsinstitute revidieren ihre Vorhersagen nach unten und sagen der Bundesrepublik eine tiefe Rezession und eine nur langsame Erholung voraus.

Die acht führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten in ihrer Gemeinschaftsdiagnose einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das erfuhr Capital aus Regierungskreisen. Für das Jahr 2010 gehen die Institute von einem kleinen Minus um 0,5 Prozent aus. Die Zahl der Arbeitslosen steige 2009 im Jahresdurchschnitt auf 3,7 Millionen und 2010 auf 4,7 Millionen. Die Prognose wird am Donnerstag offiziell vorgestellt.

Wegen des Konjunktureinbruchs werden auch die Defizite der öffentlichen Haushalte stark ansteigen. Für 2009 rechnen die Fehlbetrag von 3,7 Prozent des prognostizierten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für 2010 erwarten die Institute sogar ein Defizit von mehr als 132 Mrd. Euro. Damit würde die Defizitquote auf 5,5 Prozent steigen.

Die Wachstumsprognose der Bundesregierung werde nun kommende Woche für 2009 "in Richtung minus fünf Prozent" gehen, hieß es. Bisher hatte die Regierung einen BIP-Rückgang um 2,25 Prozent vorausgesehen.


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