12.02.2010
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Hermes-Direktor Hans-Christoph Hirt.
Hermes-Direktor Hans-Christoph Hirt.
Foto: FTD/Andreas Varnhorn

Hauptversammlung

Wie die Infineon-Rebellen scheiterten

von Nina Klöckner und Angela Maier, München

Der Aufstand der Aktionäre bei Infineon endet so spektakulär, wie er angefangen hat: Den ganzen Tag sieht es auf der Hauptversammlung nach einem Sieg der Rebellen aus. Und dann scheitern sie plötzlich deutlicher, als viele erwartet haben.

So sieht also ein Rebellenführer aus. Um kurz vor 13 Uhr tritt Hans-Christoph Hirt im Internationalen Congress Center in München ans Mikrofon. Er trägt einen dunklen Nadelstreifenanzug, dazu eine rot-orange Krawatte. Das kurze Haar sitzt akkurat, seine Augen ruhen hinter einer ovalen Brille, der Blick ist konzentriert und kühl. Er biegt das Mikrofon zurecht und fängt erst mal an zu loben: "Ich möchte dem Vorstand zu den jüngsten Ergebnissen gratulieren."

Ein netter Kerl. Höflich, zurückhaltend. Doch der 36-Jährige sieht nur aus wie der Bilderbuchschwiegersohn. Er ist Manager beim britischen Pensionsfonds Hermes - und in dieser Funktion inzwischen der Schrecken deutscher Unternehmenslenker. Er hat einen Aufstand angezettelt. Er hat Dax-Geschichte geschrieben.

Er braucht dafür keine lauten Töne. 18 Monate, sagt er, habe er immer wieder versucht, mit der Führung des Unternehmens eine Erneuerung des Aufsichtsrats bei Infineon durchzusetzen. Passiert sei nichts. Und deshalb schickt er heute seinen eigenen Kandidaten in das Rennen um den Posten: Willi Berchtold, den Finanzchef des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen.

Ach, es hätte so schön sein können. Hauptversammlung bei Infineon. Der Turnaround geschafft, 2009 wieder in den Dax-Stand gehoben, die Geschäfte laufen wieder gut. Und Max Dietrich Kley sitzt zum letzten Mal auf der Bühne in der Mitte.

Gefunden bei
ftd.de

Der Chef des Aufsichtsrats scheidet aus. Kley ist ein alter Würdenträger der deutschen Industrie. Als letzte Amtshandlung wollte er den Posten an einen alten Vertrauten weiterreichen, Klaus Wucherer, 65 Jahre alt und seit Jahren Mitglied im Kontrollgremium des Chipherstellers. So, wie man das eben macht in der Deutschland AG. Und jetzt das. Ein Revolte. Eine Kampfabstimmung. Wucherer oder Berchtold?

Der Showdown ist einmalig in der Geschichte deutscher Unternehmen. Noch nie haben Investoren versucht, gegen den Willen eines Unternehmens auf einer Hauptversammlung ihren eigenen Kandidaten an der Spitze des Aufsichtsrats zu installieren. Die Wahl von Willi Berchtold in den Aufsichtsrat würde die Unternehmensführung in Deutschland umkrempeln, die Macht der Aktionäre wäre gestärkt.


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