Man prüfe neue Modelle, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow am Donnerstag bei der Vorlage der Zwischenbilanz. Denkbar sei etwa, die bisher einheitlichen Preise für Tickets auf einigen Strecken durch "Baukastenmodelle" zu ersetzen. Ähnlich wie bei Billigfliegern könnte der Kunde dann zum Beispiel wählen, ob er zugunsten eines günstigeren Preises auf Essen oder Getränke an Bord verzichtet. Beschlossen sei aber noch nichts, sagte Gemkow.
Die
Lufthansa kämpft derzeit wegen der Wirtschaftskrise mit sinkenden Buchungszahlen bei vergleichsweise hohen Kosten. In den ersten sechs Monaten des Jahres verdiente die Fluglinie operativ 8 Millionen Euro. Ohne die Konzerntochter Swiss, die 44 Millionen Euro beisteuerte, wäre sogar ein operativer Verlust angefallen. Im selben Zeitraum des Vorjahrs erwirtschaftete Lufthansa noch 677 Millionen Euro Ertrag. "Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Krisen legen Schwachstellen schonungslos offen, dem stellen wir uns. Nur wenn wir unsere Strukturen zukunftsfest machen, kann unser Unternehmen wieder an vergangene Erfolge anknüpfen und sich im Wettbewerb dauerhaft durchsetzen", teilte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber mit.
Die Prüfung neuer Preismodelle ist Teil eines Sparprogamms, mit dem die Lufthansa im Kerngeschäft Passage bis Ende 2011 etwa 1 Milliarde Euro sparen will. Angestoßen hatte das Projekt, das Gemkow am Donnerstag erstmals skizzierte, der neue Passage-Vorstand Christoph Franz, der Swiss saniert hat und als Mayrhubers Nachfolger gehandelt wird.
Neben den Preisen prüft die Fluggesellschaft dabei auch Flotten und Standorte. Betroffen sind vor allem dezentrale Flughäfen, an denen Lufthansa mit Billigfluggesellschaften konkurriert. Einzelne Strecken könnten von der zum Konzern gehörenden Billigtochter Germanwings übernommen werden, hieß es.
Mit steigenden Erlösen kann die Lufthansa vorerst nicht rechnen. Einer am Donnerstag verschickten Mitteilung des Weltluftfahrtverbands IATA zufolge büßten die Fluggesellschaften im Juni weltweit 25 bis 30 Prozent ihres Umsatzes ein. Zwar fiel der Rückgang der Passagierzahlen mit einem Minus von 7,2 Prozent deutlich moderater aus als in den Vormonaten. Die Durchschnittserlöse gingen jedoch stärker zurück als die Zahl der Fluggäste, sagte Gemkow: Er beobachte eine "Passagierwanderung" abwärts von der First oder Businessclass auf die Economy-Sitze, wodurch die Firma pro Passagier weniger verdient.
Außerdem würden immer mehr Geschäftsreisende ihre Bonusmeilen für die Buchung von Flügen einsetzen, was derzeit ebenfalls die Erlöse verringere, sagte der Manager.
Quelle: ftd
© 2009 capital.de











