Claassen berufe sich auf ein ihm eingeräumtes Recht, innerhalb einer definierten Überlegungsfrist sein Amt niederzulegen, teilte Solar Millennium in der Nacht zum Dienstag mit. Weitere Gründe habe er nicht angegeben. "Der Weggang kam für den Aufsichtsrat unerwartet", kommentierte Aufsichtsratschef Helmut Pflaumer. Ursprünglich wollte Claassen Mitte April - nach 100 Tagen im Amt - seine Unternehmensstrategie der Öffentlichkeit präsentieren.
Der Aktienmarkt reagierte schockiert. Titel von
Solar Millennium stürzten zeitweise um 34,6 Prozent ab und notierten zuletzt mit 23,76 Euro 17,7 Prozent schwächer als am Vortag. Anfang des Jahres hatte das Papier bei rund 44 Euro ein ein Mehrjahreshoch erreicht.
"Der Aufsichtsrat wird die Geschäftsverteilung im Vorstand zeitnah neu ordnen, um so den nachhaltigen Wachstumskurs der Solar Millennium AG weiter sicherzustellen", so Pflaumer weiter.
Der Erlanger Solarkraftwerkentwickler strebte unter Claassen ehrgeizige Ziele an. Die Firma sollte aus eigener Kraft so stark wachsen, dass sie sich nicht unter die Fittiche eines Großunternehmens begeben muss. "Ich präferiere die Alternative, selbst ein größerer Konzern zu werden", hatte Claassen noch vor drei Wochen auf der Bilanzpressekonferenz gesagt.
Er wolle den Projektentwickler in dessen Markt an der Weltspitze etablieren. Das börsennotierte Unternehmen, das sich zu gut drei Vierteln im Streubesitz befindet, ist Teil des 400 Milliarden Euro schweren internationalen Wüstenstromprojekts Desertec. Dieses wird von deutschen Größen wie
Siemens,
Eon,
RWE,
Deutsche Bank und Mitbegründer
Münchener Rück dominiert.
In den vergangenen Monaten hatte die "Wirtschaftswoche" wiederholt über mögliche Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung bei Solar Millennium berichtet. Das Unternehmen wies immer alle Vorwürfe zurück.
Solar Millennium deckt von der Projektentwicklung und - finanzierung, über den Kraftwerksbau bis hin zum Besitz und Betrieb solarthermischer Kraftwerke die gesamte Wertschöpfungskette ab. Diese Kraftwerke konzentrieren mit riesigen Spiegeln das Sonnenlicht, die dabei entstehende Hitze treibt Turbinen über Wasserdampf an. So entsteht der Strom.


















