21.10.2009
Ihre Stärke nutzt die Deutsche Bank derzeit gezielt für Zukäufe.
Ihre Stärke nutzt die Deutsche Bank derzeit gezielt für Zukäufe.
Foto: dpa-PA

Erneuter Milliardengewinn

Deutsche Bank profitiert von Beteiligungsverkauf

von Christine Mai und Tim Bartz

Das größte deutsche Institut hat im dritten Quartal netto rund 1,4 Milliarden Euro verdient - und damit mehr als vor Steuern. Möglich machen das eine Rückzahlung und die weitere Reduzierung seines Anteils am Autobauer Daimler.

Die Deutsche Bank hat nach Informationen der "Financial Times Deutschland" im dritten Quartal 2009 neben einer Steuerrückzahlung vom abgabenfreien Verkauf von Anteilen am Autobauer Daimler profitiert, an dem sie zum Ende des zweiten Quartals noch 0,9 Prozent gehalten hatte. "Die Deutsche Bank hat nach der Lösung von Streitigkeiten mit dem Finanzamt Geld zurückbekommen. Zudem hat sie von Beteiligungsverkäufen profitiert - diese senken die Steuerquote", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Rund 500 Millionen Euro müsse das Institut zurückerhalten haben.

Das Institut hatte am Mittwoch unerwartet mitgeteilt, dass es für den Zeitraum von Juni bis September einen Vorsteuergewinn von rund 1,3 Milliarden Euro erwartet - und ein Nachsteuerergebnis von rund 1,4 Milliarden Euro. Die Aktie der Bank lag vorbörslich leicht im Plus, verlor nach Handelsstart um bis zu fünf Prozent und notierte später rund drei Prozent im Minus.

Die Deutsche Bank hat ihre Beteiligungen an heimischen Konzernen inzwischen praktisch auf Null zurückgefahren. Einst war das Kreditinstitut am Versicherer Allianz, dem Gasehersteller Linde und anderen deutschen Großunternehmen beteiligt. Im Jahr 2000 hatte die Bundesregierung den Verkauf von Firmenbeteiligungen von der Steuer befreit.

Detaillierte Ergebnisse sollen nach wie vor am 29. Oktober vorgelegt werden. Der Grund für die unerwartete Veröffentlichung der Eckdaten liegt in der hohen Abweichung des Nachsteuergewinns von den Schätzungen der Analysten. Die Finanzaufsicht BaFin verlangt in diesem Fall von deutschen Unternehmen, dass sie ihre Quartalszahlen früher veröffentlichen, um den Überraschungseffekt zu minimieren. Nach Schätzungen des Datendienstleisters Thomson Reuters I/B/E/S war lediglich ein Nettoergebnis von 754,83 Millionen Euro erwartet worden.

Alle Geschäftsfelder seien wahrscheinlich profitabel gewesen, betonte die Bank. Einige Segmente, darunter die Vermögensverwaltung, hatten zuletzt geschwächelt. Die Kernkapitalquote (Tier 1) habe sich voraussichtlich per Ende September auf gut 11,7 Prozent belaufen, teilte die Bank weiter mit.

Nach einem Milliardenverlust 2008 hatte das Institut vor allem dank des wieder boomenden Kapitalmarktgeschäfts in den vergangenen Quartalen wieder hohe Gewinne erwirtschaftet. Mit dem erneuten positiven Resultat reiht sich die Deutsche Bank unter Konkurrenten wie JP Morgan Chase und Goldman Sachs ein, die dank eines starken Investmentbankings ebenfalls gute Ergebnisse für das dritte Quartal gemeldet haben.

Institut profitiert von der Schwäche vieler Konkurrenten

Ihre Stärke nutzt die Deutsche Bank derzeit gezielt für Zukäufe. So strebt sie eine Übernahme der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim an. Außerdem hat sie sich mit der niederländischen Regierung grundsätzlich auf den Kauf von Teilen des Firmengeschäfts der verstaatlichten ABN Amro geeinigt. In Italien liebäugelt sie mit dem Kauf von 135 Filialen der Banca Monte dei Paschi di Siena.


Quelle: ftd.de
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