Die Postbank-Frage hat Frank Appel zwar endlich geklärt. Trotzdem bleiben dem Post-Chef noch genug Probleme: Die Amerika-Sparte ist weiter ein Milliardengrab, der Aktienkurs steckt tief im Keller. Und es lauert zusätzliches Ungemach: Im Briefgeschäft, seiner Geldmaschine, droht der Gelbe Riese seine Pfründe doch noch zu verlieren. Wähnte sich der zuständige Vorstand Jürgen Gerdes nach der Pin-Pleite in Sicherheit, stehen ihm und seinem Chef nun ein heißer Herbst bevor.
Denn die gebeutelte Konkurrenz, allen voran die orangefarbene TNT, bekommt auf dem zehn Milliarden Euro schweren deutschen Briefmarkt eine zweite Chance. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will nach Capital-Informationen die dominierende Post nicht länger komplett von der Mehrwertsteuer ausnehmen. Bislang verzichtet er auf 500 Millionen Euro Zusatzeinnahmen im Jahr, was dem Ex-Monopolisten einen spürbaren Kostenvorteil bescherte. Worauf die Wettbewerber ebenfalls hoffen: Der umstrittene Mindestlohn kippt dieses Jahr endgültig. Gut möglich, dass er nach der ersten Schlappe vor einem Berliner Gericht auch in höherer Instanz durchfällt. Das Thema wäre politisch tot.
Bisher existiert die Post-Moderne nur auf dem Papier: Seit Anfang 2008 können sich die neuen Anbieter zwar theoretisch voll entfalten, sehen sich in der Realität aber böse ausgebremst. "Der völlig überhöhte Mindestlohn hat dazu geführt, dass allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres rund 6.000 Arbeitsplätze bei den Konkurrenten der Deutschen Post vernichtet wurden", ätzt TNT-Deutschland-Chef Mario Frusch. Er managt den größten der rund 800 Post-Wettbewerber. Mit insgesamt 48.000 Beschäftigten konnten diese bis Ende 2007 gerade mal 13 Prozent Umsatzanteil erobern. Und das in mühsamen Tippelschritten, klagt Rudolf Pfeiffer, Chef des Bundesverbandes der Kurier-Express-Post-Dienste: "Die Post tat alles, um uns Knüppel zwischen die Beine zu werfen."
So weigerte sich der Bonner Konzern lange, mit Rabatt Briefe zu befördern, die andere Anbieter einsammeln und dann bei ihr einliefern. Aus Sicht des Brief-Managers Gerdes verständlich: Seine Sparte steht zwar für weniger als ein Viertel der 63 Milliarden Euro Umsatz des globalen Logistikers, der durch Mammutübernahmen entstanden ist. Aber Ansichtskarten, Schreiben und Reklamezettel sorgten voriges Jahr für fast zwei Drittel des Betriebsgewinns von 3,2 Milliarden Euro.
Für die Zukunft kalkuliert sein Konzernchef allerdings schon vorsichtiger. Nächstes Jahr soll der Ertrag der Briefsparte um zehn Prozent fallen, rechnete Appel im März vor; dann stünde sie nur noch für gut ein Drittel vom Gesamtergebnis. Dabei hätte er im Frühjahr durchaus Anlass gehabt, mit seiner Prognose mutiger zu sein. Denn kurz nachdem er Steuersünder Klaus Zumwinkel abgelöst hatte, stimmten die Rahmenbedingungen für die Ex-Behörde noch.

















