Nach einem desaströsen Ergebnis für das Jahr 2008 hat die Deutsche Bank im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Unter dem Strich sei vor allem dank einer massiven Erholung des Investmentbankings ein Überschuss von 1,2 Milliarden Euro erzielt worden, teilte das Institut am Dienstag in Frankfurt mit. Die bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern lag bei 25 Prozent - und erreichte damit wieder den von Bankchef Josef Ackermann jahrelang verfolgten Wert.
Der Deutsche-Bank-Chef hatte kürzlich gesagt, er erwarte, dass einige Institute bereits im ersten Quartal wieder Eigenkapitalrenditen von deutlich über 20 Prozent erwirtschaften würden. Für dieses Ziel ist Ackermann oft kritisiert worden, gilt eine übermäßige Fixierung auf Renditen doch als eine der Ursachen der Krise.
Im Vorjahresquartal hatte die Bank nach Steuern noch einen Verlust von 141 Millionen Euro geschrieben, zum Jahresende 2008 war sie wegen der Belastungen aus der Finanzkrise sogar tief in die roten Zahlen gerutscht. Dennoch kommt sie bisher im Gegensatz zu vielen Konkurrenten ohne Staatshilfe aus. Vor Steuern landete der Gewinn zwischen Januar und März bei 1,8 Mrd. Euro nach einem Minus von 254 Millionen Euro im Vorjahr. Die Aktie schnellte zu Handelsbeginn um über 5 Prozent in die Höhe, verlor später aber über 7 Prozent und war Schlusslicht im Dax, der im Minus startete.
Ackermann hatte zuvor bereits von einem positiven Start in das laufende Jahr berichtet. Analysten hatten daher einen deutlichen Gewinn erwartet - zumal fast alle großen US-Häuser für das erste Vierteljahr gute Ergebnisse vorgelegt haben. Allerdings ist das erste Quartal traditionell das stärkste für die Branche. Zudem dürfte der Boom bei Anleihen, von dem viele Geldhäuser derzeit profitieren, nicht nachhaltig sein. Experten nennen als Grund steigende Inflationserwartungen und warnen deshalb davor, das Ergebnis des größten deutschen Instituts auf das ganze Jahr hochzurechnen.
Auch Ackermann bleibt vorsichtig: "Was die weiteren Aussichten angeht, müssen wir mit anhaltenden Schwierigkeiten in unserem Geschäft rechnen", warnte der Schweizer, dessen Vertrag am Vorabend überraschend um drei Jahre verlängert worden war. Er betonte erneut, dass die Bank das notwendige Kapital habe, um die Krise durchzustehen. Die Kernkapitalquote gemäß der Eigenkapitalregeln Basel II stieg zum Ende des Quartals auf 10,2 Prozent von 10,1 Prozent Ende 2008.
Hauptgrund für das starke Ergebnis der Deutschen Bank war der Boom an den Anleihemärkten. Das krisengeschüttelte Investmentbanking lieferte einen Vorsteuergewinn von 1,3 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum war hier noch ein Fehlbetrag von 1,6 Milliarden Euro aufgelaufen. In diesem Segment fielen allerdings auch neue Wertkorrekturen von eine Milliarden Euro an. Für ihr Engagement im Geschäft mit Anleiheversicherern etwa stellte die Deutsche Bank 841 Million Euro zurück, für gewerbliche Immobilienkredite 48 Million Euro.
Schwach schnitten die eigentlich stabileren Geschäftsfelder Vermögensverwaltung und das Privatkundengeschäft ab. Das Segment Asset and Wealth Management, in dem die Vermögensverwaltung und das Geschäft mit vermögenden Privatkunden zusammengefasst sind, wies einen Vorsteuerverlust von 173 Million Euro aus. Im Vorjahresquartal war noch ein Gewinn von 188 Million Euro angefallen. Grund sind die Turbulenzen an den Märkten und ein Rückgang der Provisionen, die volumen- und erfolgsabhängig sind. Im Privatkundengeschäft schrumpfte das Vorsteuerergebnis um rund ein Drittel auf 206 Million Euro.
Den Verschuldungsgrad reduzierte die Deutsche Bank im ersten Vierteljahr weiter: Die Summe der Aktiva schumpfte leicht auf 2103 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme gemäß der Zielgrößendefinition des Instituts - nach Verrechnung etwa von Derivategeschäften unter dem US-Bilanzstandard GAAP - lag per Ende März noch beim 25-Fachen des Eigenkapitals. Kritiker halten dem Geldhaus immer wieder vor, mit zu hohem Hebel zu agieren, weil die Bilanzsumme im Verhältnis zum Eigenkapital größer ist als bei den meisten Konkurrenten.
Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft stieg deutlich an: Das Institut erhöhte die Rückstellungen von 114 Millionen Euro im ersten Quartal 2008 auf 526 Millionen Euro. Hintergrund war neben Bilanzierungseffekten die Rezession. Für das Privatkundengeschäft berichtet die Deutsche Bank unter anderem von einer höheren Kreditausfallquote in Deutschland und sich weiter verschlechternden Bedingungen in Spanien.
Warnungen vor zu großer Euphorie
Aufgrund der wachsenden Anzahl notleidender Kredite warnen Analysten denn auch vor zu hohen Erwartungen an die Branche. "Wir glauben nicht, dass Banken den Tiefpunkt erreichen werden, bis die Zahl leistungsgestörter Vermögenswerte langsamer zunimmt", schrieben Analysten von Goldman Sachs jüngst in einer Studie. Keine Kredit-Kategorie scheine derzeit sicher.
Das Gros der Konkurrenten der Deutschen Bank hatte zuvor bereits gute Ergebnisse für das erste Vierteljahr vorgelegt. Goldman Sachs etwa fuhr vor Abzug von Dividenden für Vorzugsaktionäre einen Gewinn von 1,81 Milliarden Dollar ein. Netto waren es 1,66 Milliarden Dollar oder 3,39 Dollar pro Aktie. Damit übertraf Goldman die Erwartungen der Analysten deutlich. Die stark angeschlagene Bank of America erzielte einen Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar beziehungsweise 44 Cent je Aktie, Dividenden an die Vorzugsaktionäre eingerechnet. Im Gegensatz dazu musste Morgan Stanley einen Verlust von 177 Millionen Dollar oder 57 Cent je Aktie ausweisen.
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