Furcht vor einer feindlichen Übernahme? Solche Gefühle würde Daimler-Boss Dieter Zetsche öffentlich niemals eingestehen. Lieber gibt er den starken Mann: „Furcht ist keine Vokabel, mit der ich sehr vertraut bin. Daimler ist so stark wie nie.“
Wie er das Thema tatsächlich einschätzt, offenbarte er am 28. Januar bei einem Treffen ehemaliger Daimler-Vorstände und -Direktoren in Fellbach bei Stuttgart, darunter „Mr. Mercedes“ Jürgen Hubbert, Lkw-Mann Kurt Lauk und Werner Breitschwerdt, Vorstandschef von 1983 bis 1987. Nur das prominenteste Mitglied im Altherrenclub fehlte: Zetsche-Vorgänger Jürgen Schrempp, dessen Missmanagement jahrelang die Aktionäre erzürnte und dessen Frau Lydia, „Hexle“ genannt, zu gleichen Zeit um eine hohe Abfindung feilschte. Lydia, Schrempps Ex-Büroleiterin, geht nun Ende März.
Nach einem Überblick über die aktuelle Lage kam Zetsche bei den „Alten Daimlers“ zur Sache: „Nahezu weltweit ist das am häufigsten im Internet gegoogelte Suchwort Sex‘. In China ist es Aktie‘. Ich glaube, das sagt einiges ... und lässt einen weiteren Schluss zu: Wenn wir nicht selbst dafür sorgen, dass unsere Performance dauerhaft Spitze bleibt und dass wir das Potenzial, das wir haben, auch selbst heben, dann werden andere das früher oder später tun – aber ohne uns.“ Kein Zweifel: Zetsche, in Personalunion auch Chef von Mercedes-Benz, ist in Sorge.
Unruhig schaut er auf den Börsenkurs. Daimler ist derzeit billig zu haben – in seinen Augen viel zu billig. Und das, obwohl die Ertragslage gut ist und er sich seit Amtsantritt im Januar 2006 als radikaler Kostenkiller profilierte: Abbau von mehr als 15 000 Jobs, vor allem bei Mercedes-Benz und Verwaltungsposten. Harter Sanierungskurs beim Kleinwagen Smart, der von 1997 bis 2006 mehr als sechs Milliarden Euro Verlust einfuhr. Spektakuläre Trennung von der maroden US-Tochter Chrysler. Doch die Daimler-Aktie, die besonders auf den Chrysler-Deal euphorisch reagierte und zum Höhenflug bis auf 78 Euro startete, ist mit 53 Euro wieder dort angekommen, wo sie herkam.























