Morphosys hat sich auf menschliche Antikörper spezialisiert. Das sind komplizierte Eiweißmoleküle, die gegen Alzheimer, Krebs und andere Krankheiten eingesetzt werden. Das bayerische Biotechunternehmen mit einem Umsatz von 87 Mio. Euro steht auf zwei Standbeinen: Als Dienstleister bietet es seine Antikörper-Technologie den großen Pharmakonzernen an, und es entwickelt aus den Molekülen auch eigene Medikamente.
Capital.de: Herr Moroney, vor rund zehn Jahren galt die Biotechindustrie als eine der wichtigsten Zukunftsbranchen hierzulande. Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Wie beurteilen Sie die Lage der deutschen Biotechunternehmen?
Moroney: Die Branche ist zu zersplittert: Wir brauchen keine 50 Firmen, sondern nur einige wenige starke. Doch es ist fast unmöglich, eine solche Konsolidierung in Gang zu bringen. Da sind die unterschiedlichen Interessen von Gründern, Vorständen und Investoren, die es zu berücksichtigen gilt. Es gibt meiner Meinung nach auch zu viele Projekte in der Industrie, die eigentlich nicht finanziert werden sollten.
Capital.de: Wie bitte? Als ein Grund für die enttäuschende Bilanz der deutschen Biotechbranche wird doch immer wieder das fehlende Risikokapital angeführt.
Moroney: Das Geld ist durchaus vorhanden. Private Investoren wie Dietmar Hopp oder die Gebrüder Strüngmann sind bereit, große Summen in deutsche Biotechunternehmen zu stecken. Aber es ist zu wenig fokussiert. Mehr Geld in weniger Projekte wäre insgesamt besser.
Capital.de: Was lief bzw. läuft sonst noch falsch in der Branche?
Moroney: Wenn ich an bestimmte Firmen denke, dann haben sie den Fehler gemacht, auf einzelne Substanzen zu wetten, die nicht geeignet waren. Vielleicht mangelte es auch insgesamt an der Erfahrung bei der Entwicklung von Medikamenten. Wenn ich heute mit Venture-Capital-Spezialisten spreche, die die Branche europaweit auf gute Ideen durchsuchen, dann haben sie einige interessante Projekte in Holland, Österreich oder Skandinavien gefunden - aber leider nichts Spannendes in Deutschland.
Capital.de: Morphosys ist eines der wenigen Unternehmen in Deutschland, das es geschafft hat und seit Jahren profitabel arbeitet. Was machen Sie besser als die Konkurrenz?
Moroney: Wir haben auch Glück gehabt. Es war 1992 längst noch nicht klar, dass Antikörper so funktionieren werden. Dann haben Unternehmen wie die amerikanischen Biotechs Genentech oder Biogen in den Neunziger Jahren den Beweis angetreten, das Antikörper sehr wirksame Medikamente sind. Zudem haben wir von Anfang an konsequent unsere Strategie der Partnerschaften verfolgt ...
Capital.de: ... und mit dem Schweizer Pharmariesen Novartis im Jahr 2007 dann eine der größten Forschungskooperationen in der weltweiten Biotechbranche abgeschlossen.
Moroney: Der Vertrag mit Novartis, der über zehn Jahre läuft und uns fixe Einnahmen in Höhe von 600 Mio. Dollar plus Meilensteinzahlungen beim Erreichen bestimmter Ziele garantiert, war für uns sehr wichtig. Dieser Deal, aber auch die anderen Partnerschaften mit Pharmakonzernen haben uns die Stabilität und Stärke gebracht, wieder unsere eigene Entwicklung von Medikamenten aufzunehmen.
Simon Moroney, 51, hat den Antikörperspezialisten Morphosys 1992 zusammen mit zwei anderen Wissenschaftlern gegründet und zu einem der wenigen Leuchttürme in der deutschen Biotech-Szene ausgebaut.
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