07.01.2010
Kommen die neuen Vorschriften wie geplant, sinkt das Kernkapital der Banken drastisch.
Kommen die neuen Vorschriften wie geplant, sinkt das Kernkapital der Banken drastisch.
Foto: Getty

Baseler Kapitalvorschriften

Neue Risiken für Banken

von Nina Luttmer

Auf Europas Geldinstitute kommt wohl noch etwas zu: Den Banken drohen bald weitere, bisher kaum bekannte Belastungen durch die neuen Eigenkapitalvorschriften.

Analysten wiesen am Dienstag in mehreren Studien auf Risiken hin, die sich aus der künftig deutlich verminderten Anrechenbarkeit latenter Steuern und Tochtergesellschaften auf das Kernkapital der Banken ergeben. Allein dadurch könnte bei einigen Geldhäusern die wichtige Kernkapitalquote drastisch sinken - nach Schätzungen des Brokerhauses MF Global beispielsweise bei der Schweizer UBS um 7,2 Prozentpunkte.

Der für Bankenregulierung zuständige Baseler Ausschuss hatte im Dezember 2009 Vorschläge für international gültige Kapitalregeln vorgelegt. In dem Gremium sitzen Bankenaufseher aus 27 Industrie- und Schwellenländern. Banken sollen als Folge der Finanzkrise künftig mehr und qualitativ hochwertigeres Eigenkapital vorhalten, ebenso Risikopuffer und mehr Liquidität, zudem soll eine Verschuldungsgrenze eingeführt werden. Endgültige Beschlüsse will der Ausschuss aber erst im Dezember 2010 fällen, nachdem die Auswirkungen möglicher Änderungen auf Banken und Wirtschaft getestet worden sind.

Bislang haben Analysten vor allem untersucht, wie sich die Änderungen beim Hybridkapital auf die Banken auswirken. Die Aufseher wollen künftig nur noch Instrumente mit besonderen Eigenschaften als "hartes Kernkapital" anerkennen. In ihren aktuelle Studien am Dienstag schauten sich die Experten der Deutschen Bank, der Credit Suisse und von MF Global dagegen bislang vernachlässigte Aspekte an, die ebenfalls große Auswirkungen auf die Banken haben werden.

So müssen die Institute zwar künftig weiterhin die Risiken ihrer Tochtergesellschaften - an denen sie mehr als 50 Prozent, aber weniger als 100 Prozent halten - voll in der Bilanz konsolidieren. Das Kernkapital dieser Töchter dürfen sie aber nicht mehr voll ihrem "harten Kernkapital" zurechnen. "Dies wird die meisten europäischen Banken treffen. Bei den französischen Banken beispielsweise machen die Anteile der Minderheitsgesellschafter 6 bis 22 Prozent des harten Kernkapitals aus", schreiben die Analysten von Credit Suisse.

 

Außerdem sollen latente Steuern künftig nicht mehr dem "harten Kernkapital" zugerechnet werden dürfen, sofern sie auf der Annahme künftiger Gewinne basieren. Ein Beispiel: Eine Bank, die im Jahr 2009 Verluste schreibt, kann später, wenn sie wieder Gewinne ausweist, Verlustvorträge nutzen und dann Steuern sparen. Auf diese angenommene Ersparnis in der Zukunft kann sie bereits heute aktive latente Steuern bilden - und dadurch ihr Kernkapital erhöhen.

Dies soll künftig nicht mehr erlaubt sein. "Die Anrechnung latenter Steuern wird kaum noch möglich sein. Dies wird große Auswirkungen auf Lloyds, die Royal Bank of Scotland und die Commerzbank haben", schreiben die Analysten von MF Global. Auch andere Banken werden betroffen sein. Die genannten drei Banken seien aber deswegen besonders betroffen, weil die MF-Global-Analysten davon ausgehen, dass sie noch längere Zeit Verluste schreiben - und zwar auch noch, wenn die neuen Regeln vermutlich 2012 in Kraft treten.

Weitere Änderungen zulasten der Banken beinhalten die Anrechenbarkeit von Pensionsüberschüssen sowie unrealisierten Gewinnen und Verlusten auf das Kernkapital. Die Experten der Deutschen Bank halten spanische, griechische und italienische Banken für am wenigsten gefährdet durch die neuen Regeln. Dagegen würden Belgiens Dexia, Crédit Agricole aus Frankreich, die britische Lloyds Banking Group, UBS und die Commerzbank besonders hart getroffen, schreiben sie in ihrer Studie.


Quelle: ftd
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