18.12.2008
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Automobilindustrie

Unerbittlich produktiv

Auch in der Krise gilt für VW, Opel, BMW, Ford, Toyota oder Peugeot eine eiserne Regel: Je produktiver, desto besser. Eine vertrauliche Studie verrät, wie effizient die Autobauer tatsächlich sind.

"Nichts ist unmöglich." Wirklich? Plötzlich muss auch der erfolgsverwöhnte Autoprimus Toyota, der genau das in einem frechen Werbeslogan seit Jahren behauptet, geschockt einsehen, wie sehr er danebenliegt.

Die Japaner, bewundertes Vorbild für Verkaufsrekorde, ­Gewinne in Milliardenhöhe und hohe Effizienz, richteten Anfang November plötzlich einen "Krisenstab" ein und verkündeten, für das aktuelle Geschäftsjahr nur noch ein Ergebnis von 4,3 Milliarden Euro zu erwarten – ein Minus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Die jetzige Situation ist ein Notfall, wie wir ihn noch nie erlebt haben", sagt Vorstandschef Katsuaki Watanabe erschüttert. "Sämtliche Projekte kommen auf den Prüfstand."

Alarmstufe Rot in der Automobilindustrie. Die Branche, gebeutelt von spektakulären Verkaufseinbrüchen in Nordamerika und schmerzhaften Einbußen im Rest der Welt, steht unter Schock. Allein in den USA verkauften die Autobauer im Oktober mit 838.156 Fahrzeugen fast 32 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor. West- und Osteuropa kamen zusammen auf ein Minus von mehr als acht Prozent. Auch in bislang boomenden Märkten wie Russland, China oder Brasilien zeigen sich starke Bremsspuren.

"Das Negativszenario ist perfekt", meint David Lauth, Europa-Chef des Prognoseinstituts CSM Wordwide. Volkswagen-Boss Martin Winterkorn sieht eine "hochgefährliche Mischung": Finanzkrise und Ökoschock, Konjunktureinbruch und Kreditklemme, hohe Rohstoffpreise, Wirrwarr bei der C02-Steuer, Rabattschlachten und Verluste im Leasinggeschäft aufgrund fallender Gebrauchtwagenpreise sowie – und das ärgert die deutschen Autobauer sehr – unausgewogene Vorschläge der EU-Kommision zum Klimaschutz.

Das Vertrauen der Kundschaft sei "massiv und nachhaltig ­gestört", schimpft Winterkorn. "Wer Sorge um Arbeitsplatz oder Ersparnisse hat, hält sich mit dem Autokauf zurück." Umso wichtiger ist, dass VW und Opel, BMW, Ford, Renault, Peugeot oder Fiat wenigstens die Produktionskosten einigermaßen im Griff haben. Eine effiziente Fertigung ist das Gebot der Stunde – und "Wertschöpfung" eines der Wörter, das Auto­bosse am liebsten in den Mund nehmen. Die Mitarbeiter am Fließband sollen in jeder Sekunde ihrer Arbeitszeit, gesteuert durch eine bis ins Letzte ausgetüftelte Taktzeit, den Wert der Fahrzeuge erhöhen. Alles andere gilt als Verschwendung.


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