Empfehlen Als E-Mail verschicken Facebook Twitter XING Drucken
05.01.2012
Kodak in Chalon-sur-Saône, Frankreich
Kodak in Chalon-sur-Saône, Frankreich
Foto: AFP

Angeschlagener Fotopionier

Kodak erwägt Gläubigerschutz

Die Aktie des Unternehmens ist ein Penny-Stock - und auch das Geschäftsmodell von Kodak wirft keinen Gewinn mehr ab. Der Fotokonzern könnte demnächst in die Insolvenz rutschen.

Der schwer angeschlagene US-Fotokonzern Eastman Kodak schließt einem Medienbericht zufolge einen Insolvenzantrag nicht mehr aus. Ein Antrag auf Gläubigerschutz könnte im Januar oder Anfang Februar gestellt werden, falls es dem Konzern nicht gelinge, digitale Patente zu verkaufen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Bei Kodak blieb die Frage nach einer Stellungnahme zunächst unbeantwortet. Die bereits schwer gebeutelte Aktie beendete den Tag nach dem Zeitungsbericht mit einem drastischen Minus von über 28 Prozent bei nur noch 47 US-Cent.

Kodak hat die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Mit der Erfindung von Filmkartuschen wurde das Unternehmen reich. Es galt lange als eine Top-Adresse der US-Industrie. Das Unternehmen hatte 1888 die erste Kamera für Endverbraucher auf den Markt gebracht und war viele Jahrzehnte ein Synonym für Fotografie. Der Fotopionier kommt aber nicht mit dem Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie zurecht. Tragende Säulen wie der Fotofilm brachen praktisch komplett weg. Kodak war zwar mit an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt, verlor jedoch schnell den Anschluss. Konzernchef Antonio Perez versucht schon seit Jahren, Kodak als Druck-Spezialisten neu auszurichten. Doch der Umbau läuft schleppend, während Kodaks Geldreserven schrumpfen. Seit 2007 schreibt Kodak keinen Gewinn mehr.

Die Insolvenz könne noch abgewendet werden, wenn es Kodak schließlich gelingen sollte, ein Portfolio aus rund 1100 Patenten zu verkaufen, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Kodak besitzt Rechte an vielen grundlegenden Techniken. Zudem wurde der Verkauf diverser Unternehmensteile geprüft.So wurden bereits das Geschäft mit Bildsensoren und eine aus alten Zeiten stammende Gelatine-Produktion für einen unbekannten Betrag abgestoßen. Außerdem versucht Kodak laut Medienberichten, mehrere hundert Millionen Dollar für seine Online-Fotoplattform zu bekommen.

Früheren Angaben zufolge wird der Wert von Kodaks Digital-Patenten auf etwa 2 Mrd. Dollar geschätzt. Das Management arbeitet schon seit Monaten an dem Deal und konnte immer noch keinen Abschluss vermelden. Möglicherweise werden die Patente am Ende über eine Auktion im Zuge des Insolvenzverfahrens verkauft, schrieb das "Wall Street Journal". Das Unternehmen spreche auch mit Banken über eine Finanzierung in Höhe von rund 1 Mrd. Dollar, um das Geschäft auch in der Insolvenz aufrechtzuerhalten.

Es ist bereits das zweite Mal in drei Monaten, dass Spekulationen über Insolvenzpläne von Kodak die Runde machen. Anfang Oktober hatte das Unternehmen nach einem ähnlichen Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg noch erklärt, man habe keine Absicht, einen Insolvenzantrag zu stellen. Jetzt hieß es nach dem Bericht des "Wall Street Journal", Kodak kommentiere keine Marktgerüchte.

Der schwache Aktienkurs bereitet Kodak ohnehin schon Ärger. Erst am Mittwoch wurde bekannt, dass dem Unternehmen der Rauswurf von der New Yorker Börse droht. Grund ist, dass der Aktienkurs als Folge der finanziellen Probleme dauerhaft unter einem Dollar festhängt. Der Börsenbetreiber NYSE duldet derartige "Penny Stocks" nur für begrenzte Zeit. Kodak hat jetzt noch sechs Monate Zeit, den Kurs wieder über die 1-Dollar-Marke zu heben - der erneute Einbruch am Mittwoch macht diese Aufgabe noch schwieriger.


© 2012 ftd.de

Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Marktinformationen
DAX Tops Diff %
Merck
Metro
Fresenius
Flops
ThyssenKru
adidas N
Dt.Lufthan
DAX 6.320,77 -1,78%
TecDAX 753,31 -1,21%
EUR/US 1,2658 -0,18%
GOLD 1.558,55 -0,66%
Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
Aktualisierte Fassung 2012
PartnerangebotImmobilien suchen in ...