20.11.2008
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Allianz

Drei auf der Durststrecke

Für Europas Versicherungsprimus reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Die Finanzkrise verwandelt den Dresdner-Bank-Verkauf in eine Zitterpartie mit hohen Verlusten. Im Heimatmarkt wächst Unmut statt Umsatz. Das Ziel sind 100 Millionen zufriedene Kunden, der Weg ist mühsam.

In Bratislava justierte Michael Diekmann den Kurs für den Tanker Allianz: "Unser Ziel ist kein Finanztarget, sondern Kunden – 100 Millionen zufriedene Kunden", verkündete der Vorstandsvorsitzende Mitte September. Derzeit bedient der Münchner Konzern 85 Millionen Menschen weltweit, sie spülen rund 100 Milliarden ­Euro Umsatz in die Konzernkasse.

Diekmann wählte für seine Ansage nicht zufällig die Hauptstadt der Slowakei. In Bratislava, wo er einst selbst wirkte, laufen heute die Fäden des Osteuropa-Geschäfts zusammen. Und New Europe, wie die Allianz es nennt, ist für den Konzern ein Quell der Freude: 39 Prozent Plus bei Pensionsvermögen in fünf Jahren hintereinander, verdoppelte Kundenzahlen, politische Reformen, die das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft explodieren lassen, Bankfilialen und Internetgeschäft unter dem Allianz-Logo. "Wir wollen einen World-Class-Versicherer hinstellen, das sind wir Herrn Diekmann und der Gruppe schuldig", gelobt der russische CEO Hannes Chopra.

Tolle Botschaften. Die würde der Konzernchef gern auch über andere Regionen verkünden. Doch daraus wird wohl vorerst nichts. Just am Tag vor Diekmanns Bratislava-Visite hatte der Untergang der US-Investmentbank Lehman einen Sturm ausgelöst, der das Weltfinanzsystem trudeln lässt. Allianz ist mit ihren Reserven zwar gut gerüs­tet, doch Aktienkurs sowie Kapitalanlagen leiden deutlich. Die Turbulenzen lösen beim Verkauf der Tochter Dresdner Bank an die Commerzbank milliardenschwere Abschreibungen aus. Derweil bröckelt im wichtigsten Markt Deutschland das Geschäft. Kein Wunder, dass Diekmann bei seiner Ankunft im Osten ein Schlafdefizit einräumte.

Deutschland trägt mehr als ein Drittel zum Gewinn bei

So wichtig die langfristigen Perspektiven dort auch sein mögen, zunächst einmal zählen die Erfolge in der Heimat. Das deutsche Geschäft steuerte 2007 immerhin 37 Prozent zum operativen Gewinn von fast elf Milliarden Euro bei. Nur zehn Prozent flossen dagegen aus allen Märkten Osteuropas und Asiens zusammen.


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