28.04.2009
Das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern sei nicht sehr ambitioniert, so Ackermann.
Das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern sei nicht sehr ambitioniert, so Ackermann.
Foto: dpa-PA

25 Prozent Rendite

Empörung über Ackermanns Gewinnziel

Die Deutsche Bank ist im ersten Quartal zu ihrem Renditeziel aus den Boomjahren zurückgekehrt. Jetzt hagelt es Kritik an ihrem Chef aus der Koalition. Der wehrt sich - und verweist auf Pflichterfüllung.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat mit seinem Festhalten an einer Rendite von 25 Prozent für Empörung in der großen Koalition gesorgt. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß sprach am Dienstag von einem Skandal. Die Branche wolle in der Finanzkrise offenbar nicht dazu lernen. Der CDU-Finanzexperte Otto Bernhardt sprach von einem "falschen Signal". Ackermann verteidigte seine Ambitionen in einem Interview mit Reuters-TV. "Ich würde es begrüßen, wenn Deutschland uns hier mehr Rückenwind geben würde."

Poß griff Ackermann auch persönlich an. Seine Vertragsverlängerung um drei Jahre sei "ein schlimmes Signal" Die Finanzwirtschaft solle sich schnellstens von ihm distanzieren: "Er eignet sich künftig weder als Sprachrohr der Branche noch als Gesprächspartner der Politik." Ackermann hat bisher einen festen Platz in den Spitzenrunden der Koalition zur Banken- und Konjunkturkrise.

Im ersten Quartal hat die Bank ihr Renditeziel erreicht. Nach dem Rekordverlust im vergangenen Jahr startete das Institut mit einem überraschend hohen Gewinn ins Jahr. Der Nettogewinn betrug in den ersten drei Monaten 1,2 Milliarden Euro. Ackermann war wegen des Renditeziels bereits öfter in die Kritik geraten.

Poß erklärte, die "irrwitzigen Renditevorgaben der Banken" seien eine zentrale Ursache für die Bereitschaft der Branche gewesen, unverantwortliche Risiken einzugehen. Dies habe die Weltwirtschaft an den Abgrund gebracht. Während die Branche noch um milliardenschwere Rettungspakete feilsche, verkünde Ackermann "fröhlich das Credo des 'Weiter so, ist doch alles prima'".

Bernhardt sagte, die Renditevorgabe könne bei vielen den Eindruck erwecken, es werde nach der Finanzkrise alles so weiterlaufen wie davor. "Das wird es aber auch mit der Union nicht", betonte er. Die Finanzarchitektur werde grundlegend geändert. Er unterstrich aber zugleich, das Quartalsergebnis zeige, wie erfolgreich die Deutsche Bank trotz der Krise sei: "Das ist ein Beleg für die erfolgreiche Arbeit Ackermanns."

Ackermann will Weltmeister werden

Ackermann wies die Kritik zurück: "Die Korrelation zwischen einem übermäßigem Risikoappetit und hoher Eigenkapitalrendite ist schlichtweg falsch." Die Deutsche Bank habe bewiesen, dass eine Rendite von 25 Prozent erreichbar sei, ohne dass man hohe Risiken eingehen müsse. Sein Haus stehe im Vergleich mit vielen anderen internationalen Großbanken gut da, habe vergleichsweise geringe Wertberichtigungen auf riskante Papiere vornehmen müssen und sei aus eigener Kraft gut kapitalisiert.

"Ich weiß nicht, warum man in Deutschland im Fußball Weltmeister werden will, aber nicht will, dass eine deutsche Bank um den Weltmeistertitel mitspielt", sagte der Schweizer. Das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern sei nicht sehr ambitioniert, weil andere Häuser noch höhere Renditen erzielten. Die Deutsche Bank habe immer wieder betont, dass sie in der internationalen Liga vorne mitspielen wolle.


Quelle: Reuters
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