Was für eine Karriere: Vom Banklehrling zum Finanzvorstand brauchte Dominik de Daniel nur acht Jahre. Nach der mittleren Reife machte er eine Ausbildung bei der Deutschen Bank, beriet anschließend vermögende Privatkunden und arbeitete dann dreieinhalb Jahre als Analyst, spezialisiert auf Konsumgüterhersteller wie Adidas, Hugo Boss oder Puma sowie Dienstleister wie die Zeitarbeitsfirma Dis oder die Marktforscher von GfK.
Überzeugungsarbeit. Mit 26 Jahren wechselte er im Frühjahr 2000 als Leiter Investor-Relations (IR) von Frankfurt zu Dis nach Düsseldorf. Zehn Monate später rückte er in den Vorstand auf, zuständig für Controlling, IR und Mergers & Akquisitions. Im Februar 2002 übernahm er das komplette Finanzressort - und spielt sich seitdem mit Dis-Chef Dieter Scheiff, der selbst einen engen Draht zu Analysten und Fondsmanagern pflegt, geschickt die Bälle zu, wenn es um IR-Arbeit geht. Resultat: Beim Capital Investor-Relations-Preis 2005 schafft Dis mit 477 von 500 Punkten nicht nur den ersten Rang im S-Dax, sondern ist auch Gesamtsieger aller Aktiengesellschaften, die am Wettbewerb teilnahmen.
Zum neunten Mal seit 1997 bewerten Capital und die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) die Güte der Finanzmarktkommunikation der wichtigsten deutschen und europäischen Unternehmen. Im Euro Stoxx 50 geht erstmals Eon als Sieger durchs Ziel, im Dax liegt Continental an der Spitze, im M-Dax führt die Norddeutsche Affinerie, im Tec-Dax liegt United Internet vorn, im S-Dax deklassiert Dis fast alle Konkurrenten. Sponsor des Capital-Investor-Relations-Preises ist Deloitte, die größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft der Welt.
Prüfstand. Für die Wahl mailte die DVFA einen ausführlichen Fragebogen an rund 5500 Investmentprofessionals in 294 Finanzinstitutionen in Europa. Die Experten urteilten nach vier Kriterien: Glaubwürdigkeit, Qualität, Zeitnähe, Corporate Governance (siehe: "Methode und Regeln"“). Auf den Prüfstand kamen 197 Unternehmen. Elf Dax-Konzerne, die auch im Euro Stoxx 50 vertreten sind, können nur dort punkten. Zwei Unternehmen, die von Analysten kaum beachtet werden, schieden aus: Teles im Tec-Dax und Klöckner-Werke im S-Dax.
Professor Otto Loistl von der Wirtschaftsuniversität Wien wandelte die qualitativen Antworten in ein Punktesystem mit maximal 500 Punkten um. Je nach Index und Vergleichsunternehmen gilt: Akzeptable IR-Arbeit beginnt bei 300 Punkten, sehr gute IR bei 400 Punkten, exzellente IR bei 450 Punkten.
Ein neu installiertes Advisory Board schaute sich die Ergebnisse im Detail an. Die Mitglieder, erfahrene Kapitalmarktpraktiker, hatten keine Einwände. Zum Advisory Board gehören: BWL-Professor Alexander Bassen, Universität Hamburg; Michael Knupfer, Portfoliomanager bei der Plutos Vermögensverwaltung; Susan Levermann, Senior Fund Managerin bei der Fondsgesellschaft DWS; Jochen Mathée, Leiter Asset Management bei der Westfalenbank; Markus Plümer, Leiter Research bei der WestLB; Horst Soulier, Leiter Aktienanalyse bei der Landesbank Baden-Württemberg.
Offenheit. Wann ist IR-Arbeit wirklich professionell? Als ehemaliger Analyst weiß Dis-Finanzchef de Daniel genau, was Investoren wollen: "Eine gute Equity-Story. Äußerst transparente Darstellung aller Ereignisse und Zahlen. Klare Formulierung von Zielen und der Annahmen, die dahinter stehen. Ausführlicher Geschäftsbericht, guter Internetauftritt." Das "gesamte Konzept" nütze natürlich nichts, wenn es nicht aktiv vermarktet werde: "Unabdingbar ist das Zugehen auf Analysten und Fondsmanager. Der Vorstand ist in der Pflicht." De Daniel: "Eine individuelle Ansprache der Investoren ist das A und O erfolgreicher IR. Es macht keinen Sinn, siebenmal am Tag die gleiche Präsentation herunterzubeten. Jeder Vorstand muss ein Gespür entwickeln: Was interessiert einzelne Analysten und Fondsmanager wirklich? Wo gibt es noch Erklärungsbedarf?"
Für ein kleines Unternehmen wie Dis mit 265 Millionen Euro Umsatz und einem Börsenwert von 465 Millionen Euro spulten Scheiff und de Daniel - mal alleine, mal als Team - im Jahr 2004 ein beeindruckendes IR-Programm ab: drei Pressekonferenzen, vier Analystenmeetings, vier internationale Telefonkonferenzen und 130 Einzelgespräche an 32 Tagen in Frankfurt, Düsseldorf, München, Zürich, Edinburgh, London, Mailand, Paris, Amsterdam, Kopenhagen, New York, Denver und Chicago. Auf der Agenda standen außerdem: zwei Branchenkonferenzen, zwei Small- und zwei Mid-Cap-Konferenzen sowie je eine Corporate-Germany-Konferenz in London, Frankfurt und New York. Weil auch die Umsatzrendite kräftig stieg, legte die Aktie von Januar bis Dezember 2004 um 56 Prozent zu. In diesem Jahr schaffte sie bislang ein weiteres Plus von 20 Prozent.




















