22.03.2010
Bereits vor vier Wochen waren rund 4000 Lufthansa-Piloten zu einem Streik aufgerufen.
Bereits vor vier Wochen waren rund 4000 Lufthansa-Piloten zu einem Streik aufgerufen.
Foto: Getty

Arbeitskampf

Lufthansa-Piloten drohen mit Streik nach Ostern

Kurz nach den Feiertagen könnte der Flugverkehr erneut im Chaos versinken. Die Verhandlungen zwischen Europas größter Airline und der Gewerkschaft sind geplatzt. Der Tarifstreit droht zu eskalieren.

Im Tarifstreit bei der Lufthansa drohen die Piloten mit einem neuen Streik nach Ostern. Die Verhandlungen seien erneut ohne Ergebnis geblieben, teilte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit am Montag mit. Der Ausstand solle am 13. April beginnen und vier Tage dauern. Zugleich appellierte Cockpit an das Management, den "bisherigen Kurs neu auszurichten". Das letzte Angebot bestehe aus einer 21-monatigen Nullrunde und einer deutlichen Verschlechterung des Manteltarifvertrages.

Bei den Tarifverhandlungen geht es um den Vergütungs- und Manteltarifvertrag für das Cockpitpersonal der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Cockpit erklärte, den Streik "aus Rücksicht auf die Urlaubspläne der Kunden während der Oster-Feiertage" erst Mitte April angesetzt zu haben. Ein Kernpunkt des Streits ist die Befürchtung der Gewerkschaft, die Lufthansa könnte Strecken an billigere Töchter verlagern, bei denen die Piloten weniger verdienen als im Mutterunternehmen.

Lufthansa
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In den vergangenen acht Jahren sei die Zahl der Lufthansa-Maschinen im Konzern von 300 auf 850 gestiegen, aber nur zwei Maschinen seien im Geltungsbereich des Konzerntarifvertrages hinzugekommen, argumentiert die Gewerkschaft. Das Management der Fluglinie wehrt sich dagegen, dass die Piloten Einfluss auf die Geschäftspolitik ausüben wollen.

"Eine Nullrunde oder sogar Absenkungen kommen überhaupt nur dann infrage, wenn die Lufthansa die bereits bestehende Tarifvereinbarung zur Arbeitsplatzabsicherung wieder einhält", teilte die Cockpit-Tarifkommission. Die derzeitige Sicherungsvereinbarung schreibe vor, dass unter der Dachmarke Lufthansa auf Passagierflugzeugen mit mehr als 70 Sitzen nur Mitarbeiter eingesetzt werden, die unter den Geltungsbereich des Konzerntarifvertrages fallen.

"Die kontinuierliche Aushöhlung dieser Vereinbarung, beziehungsweise der offene Bruch dieses Vertrages muss zunächst gestoppt werden", forderte Cockpit. Die Belegschaft sei nicht bereit, Versäumnisse und Fehler des Managements bei der Übernahme von defizitären Auslandstöchtern zu kaschieren, sondern werde ihre Zugeständnisse von der Sicherung der deutschen Arbeitsplätze und deren Entwicklungsperspektiven abhängig machen.

Kostensteigerungen müssten vermieden werden

Die Lufthansa teilte mit, man habe den Piloten auf Basis des vor dem Arbeitsgericht am 22. Februar erzielten Vergleichs ein Angebot unterbreitet und sei damit auf Anliegen der Gewerkschaft zugegangen, wie die Sorge um die Sicherheit der Arbeitsplätze sowie Versorgungsanliegen. "Auf dieser Grundlage haben Unternehmen und Gewerkschaft in zahlreichen weiteren Verhandlungsrunden und Gesprächen versucht, einen gemeinsamen Lösungsansatz zu finden. Dennoch hat die Vereinigung Cockpit die Gespräche vorerst ausgesetzt."

Das Angebot sehe eine Nullrunde bis Ende 2010 sowie einen Bestandsschutz bis Ende 2012 für die vom Konzerntarifvertrag umfassten Cockpitarbeitsplätze im Konzern bei gleichzeitiger Verlängerung des Manteltarifvertrages bis Ende 2012 vor. "Wir haben der Vereinigung Cockpit ein der Situation des Unternehmens und dem wirtschaftlichen Umfeld angemessenes Angebot unterbreitet", sagteLufthansa-Verhandlungsführer Roland Busch. Kostensteigerungen müssten aber "unter allen Umständen" vermieden werden.

Bereits vor vier Wochen waren rund 4000 Lufthansa-Piloten zu einem Streik aufgerufen, das Arbeitsgericht Frankfurt hatte beide Seiten dann aber aufgefordert, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Der eintägige Streik hatte für massive Störungen im Luftverkehr der Lufthansa gesorgt.

Die größte deutsche Fluggesellschaft hatte Anfang März mitgeteilt, im abgelaufenen Jahr unter dem Strich einen Verlust von 112 Millionen Euro gemacht zu haben. Aktionäre erhalten für 2009 keine Dividende.


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