11.03.2010
Die Pannenbaustelle A1 heizt die Diskussion über die umstrittenen Finanzierungsmodelle an.
Die Pannenbaustelle A1 heizt die Diskussion über die umstrittenen Finanzierungsmodelle an.
Foto: Getty Images

Kaputte Asphaltdecke

Zerbröselnde Autobahn bringt Bauindustrie in die Bredouille

von Michael Gassmann, Düsseldorf

Die A1 zwischen Hamburg und Bremen wurde gerade erst aufwändig von einer Bilfinger-Berger-Tochter fertiggestellt - und ist schon eine Schlaglochpiste. Eigentlich sollte der Ausbau zum Public-Private-Partnership-Vorzeigeprojekt werden, nun droht ein Desaster.

Auf acht Kilometern Länge löst sich die vier Zentimeter dicke oberste Asphaltschicht teils in Korngröße, teils in großen Stücken ab. Dabei sollte der Ausbau der A 1 eigentlich ein Aushängeschild für die private Finanzierung öffentlicher Bauten werden. Die 650 Millionen Euro teure A-1-Erweiterung ist in Deutschland das bisher größte Projekt in öffentlich-privater Partnerschaft (PPP).

Bilfinger führt Konsortium

Das Baukonsortium A 1 Mobil, eine Tochter des Konzerns Bilfinger Berger und der mittelständischen Papenburger Baufirma Bunte, gab sich am Mittwoch ratlos. "Das Phänomen ist in dieser Form noch nicht beobachtet worden", sagte der technische Geschäftsführer Lutz Hoffmann.

Der Ärger über die Behinderung auf einer der am stärksten befahrenen Straßen Deutschlands schadet dem Ansehen von Bilfinger Berger weiter. Erst am Montag hatte Vorstandschef Herbert Bodner zwei Expertenteams mit Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung beauftragt. Der Konzern steht nach Pfuschvorwürfen im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahnen in Köln und Düsseldorf seit Wochen in den Schlagzeilen.

Ohnehin strapaziert der Ausbau von vier auf sechs Fahrspuren über eine Länge von 73 Kilometern die Nerven der Autofahrer. Ein Bilfinger-Sprecher spielte die neuen Probleme am Mittwoch herunter: "Es wird keine Verzögerungen bei der Fertigstellung geben." Dagegen übte der ADAC Kritik: "Alle Welt hatte sich schon über einen glatteren Verkehrsfluss gefreut", sagte Stefan Möller vom ADAC Weser-Ems. Die schadhaften Autobahnstücke waren erst vor gut zwei Monaten für den Verkehr freigegeben worden.

Nach Angaben von Hoffmann werden die Schlaglöcher zunächst "punktuell repariert" und im Spätherbst einer Totalsanierung unterzogen. Dies könne innerhalb weniger Tage geschehen, da nur die obere Schicht beschädigt sei. Die Höhe des Schadens lasse sich noch nicht abschätzen.

Aushängeschild für PPP-Projekte

Bei PPP-Projekten planen, bauen und betreiben die Firmen im Rahmen sogenannter A-Modelle Autobahnstrecken für 30 Jahre. Im Gegenzug erhalten sie das Aufkommen aus der Lkw-Maut. Laut Haushaltsplan des Bundes kann A1 Mobil 2010 mit Einnahmen von 23,2 Millionen Euro rechnen.

Gefunden bei
www.ftd.de

Die Pannenbaustelle heizt die Diskussion über die umstrittenen Finanzierungsmodelle erneut an. "Die Einsicht wächst, dass PPP nicht die Lösung ist", sagte der Autor und Attac-Berater Werner Rügemer. Die enorme Verschuldung der öffentlichen Hand habe aber zur Folge, dass Privatfinanzierungen zunähmen. Derzeit befinden sich zwei weitere A-Modelle - die A8 zwischen Ulm und Augsburg und die A 9 in Thüringen - im Vergabeverfahren, sechs weitere sind geplant.


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Quelle: ftd
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