09.03.2010
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Ein ganzer Straßenzug trägt den Namen des Unternehmens
Ein ganzer Straßenzug trägt den Namen des Unternehmens
Foto: FTD/Jens Brambusch

Kago

Der Absturz eines Sonnenkönigs

von Jens Brambusch

In einem Dorf in der Oberpfalz hat sich der Kaminbauer Karl-Heinz Kago ein kleines Reich errichtet. Straßen tragen dort seinen Namen, sein Haus ähnelt einem Schloss. Jetzt ist Kago pleite.

Glanz und Gloria liegen keine 500 Meter hinter dem Ortsende des 7500-Seelen-Markts Postbauer-Heng in der Oberpfalz. Hinter dem schmiedeeisernen Gitter mit Goldbesatz thront ein Märchenschloss im Loire-Stil über den sanften Hügeln. Wasser aus dem alten Dorfweiher umfließt das Anwesen, in dem angrenzenden Privatzoo gurren, blöken und wiehern 230 Tiere. Videokameras filmen jeden, der sich dem Gebäude nähert. Es ist kein Geheimnis, wer hier residiert. Schon die Adresse verrät es: Kago-Allee 1-5. Wer es immer noch nicht weiß, braucht nur auf das pompöse Portal zu schauen. Dort prangt protzig der Name des Schlossherrn in geschwungenen Lettern: Kago.

Kago, das ist Karl-Heinz Kago. Er selbst nennt sich bescheiden den "bekanntesten Ofenbauer Deutschlands". Aus einem kleinen Betrieb formte der 68-Jährige ein kleines Königreich: die Kago-Kamine-Kachelofen GmbH. Über 160.000 Kamine und Kachelöfen hat er gefertigt, über 260.000 Schornsteine geliefert oder saniert. Und mit dem Unternehmen wuchs auch das Ego des Unternehmers. In seiner Korrespondenz peppt er seine vier Buchstaben mit den Titeln Senator h. c. und Dr. h. c. auf.

Doch nun ist der Glanz verflogen. Vor drei Wochen musste Kago Insolvenz anmelden. Jetzt zeigt sich: Schein und Sein liegen weit auseinander. Kago bangt um sein Lebenswerk - und mit ihm ein ganzer Ort.

"Wenn Kago hustet, hat Postbauer-Heng Fieber, heißt es ", sagt Horst Kratzer. Auf den Bürgermeister der Gemeinde kommen schwere Zeiten zu. Knapp 400 Mitarbeiter beschäftigt Kago hier, die meisten von ihnen wohnen in der Gemeinde oder in direkter Nachbarschaft. Von seinem Büro im Rathaus blickt der groß gewachsene CSU-Politiker über den Marktplatz. Dort prangt ein geschwungenes "K" an dem Bürogebäude gegenüber. Wie fast überall im Ort.

Gefunden bei
www.ftd.de

Postbauer-Heng ist Kago. Kago gestaltete den Marktplatz, dafür tragen jetzt Straßen seinen Namen. Ihm gehörten 72 Immobilien in der Gemeinde, ehe er sie vor fünf Jahren verkaufte. Er führt ein Hotel mit angeschlossenem Tagungszentrum, das natürlich Kago-Hotel heißt. Seit wenigen Tagen hängt ein Schild in der Tür: "Vorübergehend geschlossen". Auch das Kamin-Ausstellungszentrum in der Ortsmitte ist dicht. Im Gewerbegebiet Ost erstrecken sich die Hallen der Kago GmbH, ein Teil von ihnen steht leer. Kago hustet nicht nur, das Unternehmen ringt mit dem Tod.

Im Jahr 2006 hatte das Unternehmen noch einen Rekordumsatz von 135 Millionen Euro eingefahren. Dann brachen die Aufträge ein. 2007 schaffte die Firma gerade noch ein Plus, 2008 und 2009 erwirtschaftete sie je rund 3 Millionen Euro Verlust. Zuletzt mussten Mitarbeiter auf die Zahlung ihrer Löhne warten, die Fertigstellung der bereits angezahlten Bestellungen war nicht mehr gewährleistet. Kago war zahlungsunfähig.


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