04.03.2010
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Das sympathische Image von Apple-Chef Jobs droht zu kippen.
Das sympathische Image von Apple-Chef Jobs droht zu kippen.
Foto: AFP

Kult-Krake

Warum Apple uns langsam unheimlich werden sollte

von Matthias Lambrecht, Helene Laube, Andrea Rungg, Nikolaus Hammerschmidt

Der kalifornische Kultkonzern ist zur beherrschenden Größe im mobilen Internet aufgestiegen. Er bestimmt die Regeln, kontrolliert die Inhalte, schöpft die Gewinne ab. Der einst so sympathisch-geniale Underdog droht zu einer Gefahr zu werden - auch für sich selbst.



Steve Jobs lächelt nicht mehr. Konzentriert lauscht er den Fragen seiner Mitarbeiter. Messerscharf kommen die Antworten. "Einige Teams bei Google wollen das iPhone killen", sagt der Apple-Chef. "Einige Teams bei Google wollen uns killen." Die Botschaft, die Jobs auf der Betriebsversammlung in der Konzernzentrale an seine Mannschaft aussendet, ist deutlich: Kommt nicht auf die Idee, euch auf den Erfolgen auszuruhen. Die Präsentation des iPad, dieses umjubelten Mitteldings zwischen Handy und Laptop, ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein paar Tage her.

Jobs, der seit Jahren als Messias gefeiert wird, ist noch lange nicht am Ziel. Er will jetzt ganz nach oben. Will mit Apple die sich abzeichnende, neue Ära des Informationszeitalters beherrschen. Will nicht mehr nur der Coolste sein, sondern die unumstrittene Nummer eins.



Im Silicon Valley ist ein neuer Goldrausch ausgebrochen, die besten Schürfplätze werden gerade verteilt. Mit höflichen Umgangsformen halten sich die Beteiligten längst nicht mehr auf. Mobilfunk und Internet wachsen enger zusammen. Handys mutieren zu Computern im Taschenformat, Geräte wie die neuen tastenlosen Tablet-PCs revolutionieren die gesamte Branche. Über breitbandige Funkverbindungen kommt jedermann jederzeit an jedem Ort ins Internet. Das Smartphone dient als Kontaktbörse, Informationsquelle, Unterhaltungszentrum, Orientierungshilfe, Spielzeug, Arbeitsgerät und Zahlungsmittel. Ein Dorado für Menschen mit neuen Geschäftsideen und der nötigen Entschlossenheit. Menschen wie Steve Jobs. "Das ist eine Riesenchance", jubelt Branchenprophetin Mary Meeker von der US-Investmentbank Morgan Stanley. "Dieser Zyklus baut sich schneller auf als alles, was ich bisher erlebt habe."

 
Jesus-Tablet: Steve Jobs bei der Vorstellung des iPad.

Mit Produkten wie dem iPhone und dem iPad befeuert Jobs diesen Boom und ist zugleich dessen größter Profiteur. Er treibt das bisher eher gemächliche Zusammenwachsen von Mobilfunk und Internet immer schneller voran - und die Konkurrenz immer unnachgiebiger vor sich her.

"Die Welt hat noch nie ein Stück Hardware mit so hohen Zuwachsraten gesehen wie Apples iPhone", schwärmt Meeker. Obwohl erst seit 2007 am Markt, wurde es bereits 42 Millionen Mal verkauft, zehn Millionen Kunden laden sich die Apps genannten Miniprogramme für das Wunderhandy aus dem Netz herunter - pro Tag.

Durch die Apps hat Apple seine eigene Internetwelt erschaffen, und allein der Konzern aus Kalifornien bestimmt deren Gesetze. Mehr als 70 Prozent des Online-Musikmarkts kontrolliert das Unternehmen bereits in den USA, mit dem iPad will Jobs nun auch das Zukunftsgeschäft mit Büchern und Zeitungen, Videos und Software unter seine Regie bringen - und selbstverständlich an allen Inhalten kräftig mitverdienen.

Erstaunliche 7,7 Milliarden Dollar operativen Gewinn hat Apple im vergangenen Geschäftsjahr eingefahren und damit trotz weltweiter Rezession um 22 Prozent zugelegt, sagenhafte 40 Milliarden Dollar hat die Firma auf der hohen Kante, genug, um nahezu jedes gewünschte Unternehmen zu kaufen. Innerhalb von zehn Jahren hat der einstige Nischenanbieter seinen Marktwert nahezu verzehnfacht. Jobs, der freundlich-geniale Herr im schwarzen Rollkragenpullover, wird langsam übermächtig. Und unheimlich.

"Apple nimmt mit dem iPad den ganzen Markt der Unterhaltung und Information ins Visier", warnt der Unternehmensgründer, Buchautor und Experte für soziale Netzwerke, Ibrahim Evsan. "Wer Apple unterschätzt, verliert schnell den Anschluss an die digitale Welt."

Für Apple ist die Wandlung vom Kultkonzern zur monopolähnlichen Machtmaschine selbst nicht ganz ungefährlich. Maßstab und Mahnung zugleich ist ausgerechnet der inzwischen geradezu verhasste Rivale Google. Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre und vor allem das scheinbar unstillbare Verlangen nach persönlichen Daten aller Art machten aus der sympathischen Suchmaschine in den Augen vieler Internetnutzer eine gierige Informationskrake, die sich anschickt, unsere ganz private Welt zu beherrschen.


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