Um diese Offerte zu ermöglichen, muss die Bank von ihrer Bilanz offenbar Eigenkapital in Milliardenhöhe einsetzen, heißt es in Verhandlungskreisen: "Unser Eindruck ist, dass die
Deutsche Bank mit dem Ratiopharm-Gebot ihren Kredit retten will. Das ist äußerst riskant."
Actavis' labile Finanzlage könnte die Chancen der Isländer in der Schlussphase des Ratiopharm-Verkaufsprozesses stark trüben. In Ratiopharm-Kreisen wird eher ein solider Gesellschafter wie der US-Pharmariese
Pfizer oder der israelische Teva-Konzern bevorzugt. Über den Zuschlag könnte die VEM-Holding des Firmenimperiums der Familie Merckle in der ersten Märzhälfte entscheiden. Vergangene Woche hatte
Teva sein Konzept vorgetragen. Diese Woche folgt Pfizer, nächste Woche Actavis. Die Gebote liegen Verhandlungskreisen zufolge eng beieinander, bei bis zu 3 Milliarden Euro.
Für die Deutsche Bank ist ihr Actavis-Engagement ein großes Problem, das deshalb Bankvorstand Michael Cohrs persönlich mitbetreut. Infolge der Krise ist der Wert des isländischen Unternehmens aktuell weit unter sein Schuldenvolumen gerutscht, sagen involvierte Investmentbanker. Die Deutsche Bank hält den größten Teil der Actavis-Darlehen von etwa 5 Milliarden Euro. Actavis' Wert wird derzeit jedoch nur auf 3 bis 4 Milliarden Euro taxiert. "Das bedeutet für die Bank massives Abschreibungspotenzial, das ist kaum aufholbar", sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Die Bank hatte Anfang 2009 versucht, Actavis zu verkaufen, dies aber wegen viel zu niedriger Gebote abgeblasen. Ob und in welchem Ausmaß sie ihren Kredit bereits abgeschrieben hat, ist nicht bekannt. Das Institut und Actavis lehnten jegliche Stellungnahme ab.
Der Erwerb von Ratiopharm durch Actavis könnte dafür sorgen, dass der Actavis-Kredit der Deutschen Bank an Wert zurückgewinnt. Durch eine Zusammenlegung der beiden Generikafirmen zur internationalen Nummer drei könnten hohe Synergien realisiert werden. Ein Verhandlungsteilnehmer bezifferte diese auf weit über 100 Millionen Euro, ein anderer sogar auf 300 Millionen Euro pro Jahr. Actavis erzielte 2009 bei einem Umsatz von 2 Milliarden Euro einen operativen Gewinn (Ebitda) von 600 Millionen Euro. Ratiopharm kam mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz auf ein Ebitda von 300 Millionen Euro. Ratiopharm-Chef Oliver Windholz hatte allerdings an seine Mitarbeiter geschrieben, dass er sich für den Verkauf der Gruppe als Ganzes und den Erhalt der Standorte einsetze.
Voraussetzung für den 3 Milliarden Euro schweren Ratiopharm-Deal ist Finanzkreisen zufolge, dass die Deutsche Bank auf einen Großteil ihrer Actavis-Forderungen verzichtet und im Gegenzug die Firmenanteile übernimmt. Dies würde die Bank allerdings Milliarden kosten, soweit sie nicht schon so hohe Wertberichtigungen gebildet hat. Alternativ könnte die Bank auch eine Milliardensumme Eigenkapital einsetzen, das später an Beteiligungsfirmen weiterverkauft werden könnte. Zunächst sollte sich der schwedische Finanzinvestor EQT direkt an dem Deal beteiligen. Dies scheiterte an Differenzen über die Bewertung.
Dass die Bank auf einem so großen Kredit sitzt, liegt am abrupten Ende des Booms Mitte 2007: Damals hatte sie dem isländischen Milliardär Thor Bjorgolfsson und dessen Investmentfirma Novator den Kauf von Actavis finanziert. Die geplante Weitergabe des Kredits an andere Banken und Fonds platzte durch den Einbruch der Kreditmärkte.
Kursinformationen + Charts
| Unternehmen | ISIN | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Deutsche Bank | DE0005140008.DE | ||||
| Teva Pharma Ind. | US8816242098.O | ||||
| PFIZER INC | US7170811035.N |
Quelle: ftd
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