24.02.2010
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Bilfinger Berger steckt in einer der größten Krisen seiner 130-jährigen Geschichte.
Bilfinger Berger steckt in einer der größten Krisen seiner 130-jährigen Geschichte.
Foto: AP

Imagedesaster

Der GAU am Bau bei Bilfinger

von Michael Gassmann, Düsseldorf

Eigentlich feilt Bilfinger-Berger-Chef Herbert Bodner gerade an seinem Lebenswerk: Dem Umbau vom Baukonzern zum Dienstleister. Nun tauchen immer neue Pfuschvorwürfe an Großbaustellen auf - und gefährden sein Projekt.

Stoisch und souverän dirigiert der stämmige Mann per Handy und Handzeichen Bagger, Kranwagen und Menschen hin und her. Der Krach der Presslufthämmer scheint ihn nicht zu stören. Auf dem Kopf den Bauhelm, am Leib eine gelbe Sicherheitsjacke und klobige Schuhe an den Füßen. Hier wird die Düsseldorfer U-Bahn gebaut. "Bald rückt die Tunnelbohrmaschine an", sagt der Bilfinger-Berger-Mann. Eigentlich könnte alles nach Plan verlaufen.

Doch nun herrscht auch in Düsseldorf helle Aufregung. Am Dienstag hat der Baukonzern eingeräumt: Auch hier ist beim U-Bahn-Bau wahrscheinlich gepfuscht worden. Die Stadt hat als Bauherr Starfanzeige gegen zwei Mitarbeiter gestellt. Nach dem Skandal um den Bau der Kölner U-Bahn, der seit Tagen für immer neue Schlagzeilen sorgt, kündigt sich nun der nächste Bau-GAU an.

Hier wie dort spielt Bilfinger Berger die führende Rolle bei den Projekten, beschäftigte teilweise sogar dieselben, wegen Unregelmäßigkeiten verdächtigten Mitarbeiter. "Wie wir den Imageschaden wieder in den Griff bekommen sollen, weiß ich auch nicht", sagt der Bahn-Bauer aus Düsseldorf.

Seit Tagen reißen die Nachrichten über gefälschte Bauprotokolle und krumme Geschäfte mit Stützeisen nicht ab. Für Bilfinger Berger, mit 10 Milliarden Euro Umsatz und 61.000 Beschäftigten der zweitgrößte deutsche Baukonzern, ein Imagedesaster. Und auf Image, auf gute Referenzen ist die Baubranche ganz besonders angewiesen.

Das Unternehmen, das derzeit selbst einer großen Baustelle gleicht, steckt in einer der größten Krisen seiner 130-jährigen Geschichte. Und wie es diese übersteht, hängt nun von einem Mann ab: Herbert Bodner.

Der 62-jährige Bilfinger-Chef hat seit Kurzem einen Lieblingssatz. "Die Untersuchungen sind in vollem Gange." Immer wieder sagt er das in den vergangenen Wochen. Es klingt wie eine Floskel, aber Bodner meint es ernst.

Er ist entschlossen, den Ruf des Unternehmens zu verteidigen. Denn es steht viel auf dem Spiel, sein Kernprojekt, sein Vermächtnis, die Arbeit von vielen Jahren, beinahe alles, wofür Bodner zuletzt gearbeitet hat.

Gefunden bei
www.ftd.de

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