22.02.2010
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Freude am Sparen: Konzernchef Norbert Reithofer will BMW ein grüneres Image verpassen
Freude am Sparen: Konzernchef Norbert Reithofer will BMW ein grüneres Image verpassen
Foto: Getty

Autohersteller

BMW bereitet den Gegenschlag vor

Der Autobauer steht vor einem Comeback. Mit neuen Modellen, unorthodoxen Ideen und sparsameren Motoren will Vorstandschef Norbert Reithofer den einstigen Vorzeigekonzern zurück zu alter Stärke führen. Die Chancen, Audi und Mercedes auf Distanz zu halten, sind nicht schlecht.

Für einen, der Tempo machen will, müsste es schneller gehen. Quälend langsam zuckelt Norbert Reithofer durch München. 45 Kilometer pro Stunde, mehr gibt der Wagen des BMW-Chefs nicht her. Der Mann ist anderes gewöhnt. Aber Reithofer will an diesem Septembertag nicht rasen, er will gleiten. Heute ist er nicht Manager, heute ist er Ingenieur. Und er fährt nicht BMW. Sondern Toyota.

Etwa 1,5 Kilometer schafft der neue Prius im Elektromodus, erst danach schaltet das viel gelobte und zuletzt wegen Qualitätsproblemen in die Kritik geratene Hybridauto den Benzinmotor zu. Fast lautlos rollt Reithofer durch die Straßen und löchert den Techniker auf dem Beifahrersitz mit Fragen: Wie ist das Zusammenspiel der Motoren gelöst? Von wem bezieht Toyota die Teile? Wie bekommen die Japaner die niedrigen Kosten hin? Und vor allem: Was heißt das alles für BMW und seine Autos?

Reithofer sitzt in Jeans und Pulli am Steuer und hat sichtlich Spaß. Alternative Antriebe gehören zu seinen Lieblingsthemen. Er tritt das Gaspedal durch, will spüren, wie der Wagen sich anfühlt, wenn er anzieht. Die Drehzahl schnellt hoch, der Motor brüllt auf, viel zu laut. Reithofer ist zufrieden. Das kann BMW besser. Nicht nur das.

Der Münchner Autobauer, der zuletzt viel von seinem Nimbus als Vorzeigekonzern eingebüßt hat, gibt wieder Vollgas. In den kommenden drei Jahren wird der Konzern die Hälfte seiner Modelle erneuern, darunter so wichtige Baureihen wie den 3er und den 5er. Mit der Spritspartechnik Efficient Dynamics ist BMW Mercedes und Audi um Jahre voraus. Zusätzlichen Schub verspricht die sich abzeichnende Erholung der Konjunktur, vor allem auf dem amerikanischen Markt, wo BMW traditionell stark ist.

Arndt Ellinghorst, renommierter Autoexperte bei Credit Suisse, prophezeit den Bayern eine kräftige Aufschwungphase. Schon im kommenden Jahr wird der Konzern im Autogeschäft nach seinen Berechnungen wieder 2,4 Milliarden Euro operativen Gewinn ausweisen – mehr als der zuletzt so erfolgreiche Rivale Audi. "Wir werden den Abstand zu den Wettbewerbern vergrößern", verspricht BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner. "Jetzt beginnt für uns der Trend nach oben."

Der einst so erfolgsverwöhnte Hersteller hat Aufwind bitter nötig, die letzten Jahre waren hart. Mit der Finanzkrise kollabierte der Hauptabsatzmarkt USA, für drohende Verluste aus einer allzu freigiebigen Finanzierungs- und Leasingpolitik musste der Konzern Ende 2008 eine Rückstellung von zwei Milliarden Euro bilden, rutschte zeitweilig sogar in die roten Zahlen. Die Modellpalette wurde nicht konsequent genug erneuert, zugleich verlor der Meister in Effizienz und flexibler Produktion die Kosten aus dem Blick. "Wir haben viele Fehler gemacht", gesteht ein Konzernmanager ein. "Und wir haben zu spät auf die Konkurrenz durch Audi geachtet."

Die VW-Tochter macht den Münchnern schon seit einiger Zeit den Status als sportlichste aller Premiummarken streitig. Als sich selbst eingefleischte BMW-Fans über die kantigen Karosserien des 7ers und 5ers mokierten, punktete Audi mit elegantem Design und aggressivem Marketing. Und stieg vor den Augen des verdutzten Rivalen sogar beim Fußball-Prestigeklub FC Bayern München ein.

Bilderstrecke
Die Absatzbeschleuniger: Mit welchen Autos BMW aus der Krise fahren will

In Westeuropa verkaufen die Autobauer aus Ingolstadt heute schon mehr Autos als die Marke BMW. Bis 2015, tönt Audi-Chef Rupert Stadler, wolle er weltweit die Nummer eins in der Oberklasse sein.

Doch da könnte er sich täuschen. Denn Reithofer bereitet den Gegenschlag vor. Im Zentrum steht eine Modelloffensive, die BMW bereits in diesem Jahr aus der Krise ziehen soll. Ende 2009 ging der kleine Geländewagen X1 an den Start, im Frühjahr folgt mit der 5er-Baureihe eines der wichtigsten Modelle des Konzerns. Kurz darauf sollen die Hybridversion des 7er und zwei weitere Geländewagen Premiere feiern: die Neuauflage des X3 sowie eine Offroad-Variante des Mini.

Damit kehren sich die Vorzeichen im Duell mit Audi um: Während zuletzt die Ingolstädter von neuen Modellen wie dem A4 oder dem Q5 profitierten, gewinnt nun BMW an Schwung. 2011 und 2012 stehen die Neuauflagen der 3er- und 1er-Baureihe an, die zusammen knapp 50 Prozent des Absatzes ausmachen. Das allein dürfte reichen, um Audi und Mercedes in den nächsten Jahren auf Distanz zu halten und wieder bessere Ergebnisse einzufahren. Wenn sich dann auch noch, wie prognostiziert, die Autokonjunktur erholt, umso besser.


Was die Leser sagen

Carguy
22.02.2010 | 14:27
Gewinn-Künstler

Zu Audis veröffentlichten Gewinn ist noch etwas anzumerken. Audi hat per Sept. 09 rund 1.2 Mrd. € Rohgewinn ausgewiesen.
VW gesamt, also inkl. Audi, lediglich rund 1,5 Mrd. €. Audi macht danach also 70 % des VW Gewinns aus bei vielleicht 35 % Umsatzanteil. Hier liegt der Verdacht nahe, das Audi von der Konzernmutter per Quersubventionierrung "augehübscht" wird.
Branchenkenner jedenfalls glauben nicht an diese Gewinnexplosion: Absatzeinbußen, Verluste im U.S.-Geschäft, hohe Rabatte am Markt, fehlendes Natural Hatching, hohe Webe- und Produkteinführungskosten und immer noch eine branchenunüblich hohen Gewinn? Zuweilen werden halt auch Märchen bilanziert, Gestaltungsmöglichkeiten gibt es bei Konzernbeziehungen ja genug.

Carguy
22.02.2010 | 13:26
Zahlensalat

Den Schlussfolgerungen in dem Artikel kann ich nur bedingt zustimmen. BMW hat in meinen Augen nie seinen Nimbus als Vorzeigemarke verloren. Wirtschaftskrise und langfristig festgelegte Produktzyklen haben zu vorübergehenden Problemen, ja zum Rückgang (Umsatz 09 - 4%) geführt.
Audi hatte zuletzt dagegen Vorteile bei Produktzyklen sowie durch Neueinführungen: Aber entgegen dem aggressiven Auftreten von Audi am Markt ist diese Marke bei weitem noch nicht "im Rückspiegel" von BMW, geschweige denn auf deren Höhe, was sich sowohl beim Absatz und noch mehr beim Umsatz zeigt.
Audi hat beim Absatz BMW in Europa auch nur überholt, wenn man unfairerweise die Minis außen vor läßt. Man bastelt sich die Siegesmeldungen halt zuweilen zurecht.
Auch ist dies nur eine Momentaufnahme. Gezählt wird bekanntlich weltweit und pro Jahr und hier liegt Audis Absatz mit - 25 % immer noch weit abgeschlagen hinter BMW. Aber Absatz, also Stückzahl an verkauften Fahrzeugen, ist nicht alles. Das Premium zeigt sich vor allem im Umsatz also beim Verkauf teurer, hochwertiger Fahrzeuge. Und hier wird Audi (Automobile), die 2009 gerade mal rund 26 Mrd. € mit "ihren" Fahrzeugen umsetzten, von BMW (Automobile), deren Umsatz 2009 rund 44 Mrd. € ausmachte, klar deklassiert.

Sicher ist es gut, wenn BMW künftig Audi etwas ernster nimmt, aber bitte nicht zu ernst. Das aggressive Auftreten Audis sollte BMW nicht dazu verleiten, mit gleicher Münze zurück zu zahlen. Man ist ja schließlich Premium.

(Kommentare 1-2 von 2)

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