Hasso Plattner hat die Nase voll. Nach der Kundenrevolte bei
SAP nimmt Firmengründer das Heft wieder stärker in die Hand. Mit der unerwarteten Trennung von Konzernchef Léo Apotheker will der Aufsichtsratsvorsitzende verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Die Rückkehr zu einer Doppelspitze soll der Softwareentwicklung wieder zu größerem Gewicht verhelfen. "Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen", kündigte der SAP-Mitgründer an.
"Er war bislang schon ein außerordentlich aktiver Aufsichtsratschef und wird jetzt noch mal wichtiger. Das wollen und unterstützen wir im Gremium auch", sagte ein Aufsichtsratsmitglied. Er sei bislang schon die treibende Kraft hinter der technologischen Weiterentwicklung gewesen, jetzt werde er auch bei anderen internen Themen sich zumindest zeitweise stärker einmischen.
Plattner muss sich erstmal um das Vertrauen der Kunden kümmern und die Belegschaft beruhigen, in der es seit Jahren rumort. Zudem muss er eine gemeinsame globale Identität des Softwarehauses schaffen. Der mitunter auch cholerisch auftretende Plattner genießt ein fast mythisches Image unter den Beschäftigten.
SAP selbst teilte mit, der 1944 geborene Firmengründer werde die neue Führung beraten. Als gleichberechtigte SAP-Chefs sollen sich die bisherigen Vorstandsmitglieder Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe um Vertrieb beziehungsweise Produktentwicklung kümmern. Damit wird SAP erstmals ausschließlich von ausländischen Managern geführt, die zudem außerhalb Deutschlands leben.
Beide verkörpern auch zwei Seiten des schwelenden Streits unter den Mitarbeitern: Der Däne Hagemann Snabe gilt als freundlicher und bei den europäischen Beschäftigten äußerst beliebter Manager, der aus der Softwareentwicklung kommt. Vertriebschef McDermott steht dagegen für einen amerikanischen Management-Stil, der mit strengeren Leistungsvorgaben arbeitet und auch vor Entlassungen nicht zurückschreckt.
Die stärkere Verantwortung Plattners ist logische Folge der Ablösung Apothekers. Der SAP-Gründer sei dabei die treibende Kraft gewesen, hieß es. Auf einer Aufsichtsratssitzung am Sonntag hatten die Kontrolleure unter Vorsitz Plattners beschlossen, Apothekers Vertrag nicht zu verlängern. Die Entscheidung über dessen Zukunft war eigentlich für eine turnusmäßige Aufsichtsratssitzung am Donnerstag vorgesehen. Am Sonntag wurde Apotheker eingeweiht. "Danach war klar, dass er zurücktreten würde", sagte der Aufsichtsrat.






















