Der Mobilfunknetzbetreiber Vodafone gehört zu jenen Unternehmen, die mit ihren Kunden in weltweit verteilten Projektteams arbeiten und die Tücken der Zusammenarbeit über die elektronischen Medien kennen: "Die Abstimmung war nicht ganz einfach, es wurden E-Mails hin und her geschickt, Postfächer liefen über und wichtige Infos wurden oft nicht sofort wahrgenommen", erinnert sich Alexander Gottschlich, Global Programme Manager bei Vodafone. Dokumente seien parallel bearbeitet und verworfen worden, weil unklar gewesen sei, dass auch Kollegen daran arbeiteten. Außerdem hatte das Projektteam oft keinen geregelten Zugriff auf Netzlaufwerke oder Projektdokumente. Dieses Chaos ist vorbei: Heute wickeln die weltweit verstreuten Teams ihre Projekte per Online-Service des auf Projektmanagement spezialisierten Anbieters Projectplace ab. "Endlich haben wir ein zentrales System, auf dem Dokumente in Echtzeit gespeichert, bearbeitet und abgerufen werden können", sagt Gottschlich zufrieden.
Die Kommunikationsprobleme verstreut arbeitender Teams sind nicht neu, doch sie nehmen zu. Viele Firmen wickeln ihr Projekte inzwischen unternehmensübergreifend ab - sowohl mit ihren Niederlassungen weltweit als auch zusammen mit Kunden und Lieferanten. Vorreiter bei virtuellen Teams waren Großunternehmen. In der Automobilindustrie etwa werden längst neue Modelle in internationaler Zusammenarbeit entwickelt, Meetings finden zunehmend als Video- oder Webkonferenz statt. Mit dem sogenannten Application-Sharing können sie gemeinsam an Dokumenten und Konstruktionszeichnungen arbeiten. Nach aktuellen Schätzungen setzen rund 75 Prozent der 2000 größten weltweit agierenden Unternehmen auf diese Form der Zusammenarbeit.
Standardisiertes Miteinander
Virtuelle Teams sind längst kein Privileg der Großunternehmen mehr. Wie das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn ermittelte, haben bereits mehr als 5000 deutsche Mittelständler Standorte im Ausland. Virtuelle Zusammenarbeit ist inzwischen auch bei ihnen an der Tagesordnung. "In immer mehr mittelständischen und kleinen Unternehmen nimmt die virtuelle Teamarbeit zu, sowohl in der Kooperation mit eigenen Niederlassungen als auch in der Zusammenarbeit über die Unternehmensgrenzen hinaus, etwa gemeinsamen Projekten mit Lieferanten oder Kunden", sagt Konrad Fassnacht, Geschäftsführer der FCT Akademie für innovatives Lernen in Eppingen und Berater für virtuelle Zusammenarbeit.
Davon profitieren vor allem international tätige Unternehmen wie die auf Wartungssoftware für Flugzeuge und Helikopter spezialisierte Leitner EDV-Beratung in Zorneding bei München: Bis vor vier Jahren musste Firmenchef Wolfgang Leitner viel Zeit in Vor-Ort-Einsätze stecken. Leitner und sein Team betreuen Kunden vom Polarkreis bis nach Südafrika. In der Vergangenheit war dies eine heikle Aufgabe: "Entweder mussten wir Techniker vor Ort bereithalten oder umständliche Verbindungen von PC zu PC zu unseren Kunden aufbauen", erinnert sich der Chef. Das war nicht immer einfach, denn jeder Kunde arbeitet mit einem anderen System. So war denn viel technische Vorarbeit notwendig, bevor das eigentliche Problem behoben werden konnte.


















