Durch den Boom bei Unternehmensanleihen können die "Heuschrecken" leichter Schulden aufnehmen.
Durch den Boom bei Unternehmensanleihen können die "Heuschrecken" leichter Schulden aufnehmen.
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Private-Equity-Branche

Finanzinvestoren dealen wieder

Die vor wenigen Monaten noch totgesagte Private-Equity-Branche steht vor dem Comeback. Der vor allem in Deutschland aktive britische Finanzinvestor BC Partners will bei Investoren 5,8 Milliarden Euro einsammeln, um neue Firmenkäufe zu stemmen.

Das wäre der weitaus größte Fonds, den eine europäische Beteiligungsgesellschaft seit der Lehman-Pleite im September 2008 neu auflegt. Das Geschäftsmodell der in Deutschland oft als "Heuschrecken" bezeichneten Firmenkäufer war durch die Finanzkrise regelrecht zertrümmert worden. Beteiligungsgesellschaften wie BC Partners pumpen ihr Anlagekapital durch Kredite auf, um die Schulden später dem übernommenen Unternehmen aufzubürden. Dieser Hebel ermöglichte in guten Zeiten Rekordrenditen. Mit dem Einfrieren der Kreditmärkte Ende 2007 fehlte allerdings plötzlich das notwendige Fremdkapital.



Der Vorstoß von BC Partners zeigt, dass die Branche sich nun wieder an ihre Geldgeber wie Pensionsfonds, Versicherungen oder Stiftungen herantraut. Zupass kommt den Beteiligungsfirmen der aktuelle Boom bei Unternehmensanleihen: Dieser macht es für die Private-Equity-Branche wieder sehr viel leichter, Schulden aufzunehmen.

Man wolle mit der Auflage des Fonds noch in diesem Jahr beginnen, sagte BC-Partners-Manager Charlie Bott. Die meisten früheren Investoren zögen auch bei dem neuen Fonds mit. Daneben wollen die Briten mögliche neue Geldgeber in Asien ansprechen, speziell im Nahen Osten.

Im Gegensatz zu Branchenschwergewichten wie KKR, Blackstone oder Permira hatte sich BC Partners während des exzessiven Kreditbooms 2006 und 2007 stark zurückgehalten. Bei den meisten Fonds aus jener Zeit ist der Wert des Portfolios unter die Einstandskosten gefallen. BC hingegen kann für das Beteiligungsportfolio des aktuellen, 2005 aufgelegten Fonds einen Wert ausweisen, der um 20 Prozent über den Anschaffungskosten liegt. Das verbessert die Position gegenüber den Geldgebern.

 

Zudem konnte BC Partners seit dem Lehman-Zusammenbruch immerhin fünf kleinere Deals tätigen - während die Branche generell mangels verfügbarer Kredite bei Übernahmen zuletzt kaum noch zum Zuge kam. BC habe in die Unternehmen insgesamt 1,3 Milliarden Euro Eigenkapital investiert, sagte Bott. "Wir waren in den vergangenen 18 Monaten eine der aktivsten Private-Equity-Firmen." Unter anderem übernahm BC Partners den Regensburger Trafobauer SGB und stieg beim Augsburger Labordienstleister Synlab sowie beim Wiener Futurelab ein. Daraus wollen die Briten einen der größten deutschen Labordienstleister schmieden.

Positiv dürften die Geldgeber registrieren, dass BC jüngst einen der größten Exits der Branche hingelegt hat: Die von ihm mitgehaltene Kölner Kabelfirma Unitymedia wurde für 3,5 Milliarden Euro an den US-Kabelriesen Liberty Global verkauft. BC hat zudem mehrere Börsenkandidaten in den Startlöchern, allen voran Brenntag. Der Mülheimer Chemiehändler, den die Briten 2006 für 3,2 Milliarden Euro von Bain Capital erwarben, soll Finanzkreisen zufolge im April den Start an der Börse wagen.

Das Comeback der Private-Equity-Branche zeichnete sich jüngst bereits in den USA ab, wo Hellman & Friedman 8,8 Milliarden Dollar und Clayton, Dubilier & Rice immerhin 5 Milliarden Dollar einsammelte. Allerdings hatten beide Häuser eigentlich mehr Geld einnehmen wollen. Weltweit hatten die Beteiligungsgesellschaften 2009 nach einer Analyse des britischen Branchendienstes Preqin so wenig Mittel akquiriert wie seit 2004 nicht mehr: 246 Milliarden Dollar. Diese Summe lag fast zwei Drittel unter dem Rekordniveau der Jahre 2006 und 2007, als die Branche je fast 650 Milliarden Dollar eingeworben hatte.


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18.01.2010
von Angela Maier, München

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