Zuvor hatte es eine Ausschreibung unter einer Reihe von Auskunfteien gegeben. Eine GDV-Sprecherin bestätigte, dass der Sieger der Ausschreibung feststehe. Die Zusammenarbeit sei allerdings noch nicht vertraglich fixiert. Namen nannte sie nicht.
Der GDV betreibt seit Jahren ein internes Hinweis- und Informationssystem (HIS), das auch als "schwarze Liste" bezeichnet wird - und schon länger im Visier der Datenschützer ist. Mit der Liste will sich die Assekuranz vor Betrug beim Abschluss von Versicherungen oder im Schadenfall schützen. Sie umfasst rund zehn Millionen Einträge - etwa, ob bestimmte Personen mit einer Rechtsschutzversicherung besonders klagefreudig sind oder extrem hohe Berufsunfähigkeitsversicherungen abgeschlossen haben. Einträge in die Liste können bereits im Verdachtsfall erfolgen und - ähnlich einem Eintrag bei der Auskunftei Schufa - zu einer Ablehnung einer Versicherung führen. Die genaue Systematik ist nicht öffentlich. Das Verfahren diene der Betrugsabwehr, was im Interesse aller Versicherungskunden liege, argumentiert der GDV.
Datenschützer indes monieren seit Jahren, Art und Ausmaß der Speicherung seien gesetzeswidrig. So landet auch auf der Liste, wer mehrfach um Rechtsschutz anfragt. Zudem werden nicht nur Daten über Versicherte gespeichert, sondern beispielsweise auch über Zeugen von Verkehrsunfällen und über einzelne Fahrzeuge, um etwa Mehrfachversicherungen eines Fahrzeugs zu verhindern. Auf einen Einblick in Einträge über die eigene Person gibt es keinen zwingenden Anspruch, zudem ist er in der Praxis kompliziert.
Als Reaktion auf die vor allem von der nordrhein-westfälischen Datenschutzbeauftragten Bettina Sokol geäußerte massive Kritik hatten die Versicherer 2009 über ihren Verband GDV eine Reform des Systems für das Jahr 2011 angekündigt. Im Vorgriff habe man sich für einen externen Dienstleister entschieden, sagte nun die Verbandssprecherin.
Es sei zudem ausdrücklich von Datenschützern erwünscht, dass ein externer Dienstleister mit Auskunftei-Erfahrung die Angelegenheit übernehmen solle. Laut der GDV-Sprecherin sollen zudem Risikoprüfung und Betrugsabwehr ab dem kommenden Jahr getrennt sein. So werde dann beim Antrag auf eine Versicherung nicht mehr geprüft, ob der Kunde bereits in einer anderen Sparte einen Betrug begangen habe.
Von Arvato Infoscore war keine Stellungnahme erhältlich. Das Unternehmen war 2005 aus der Übernahme der Auskunftei Infoscore durch die Bertelsmann-Tochter Arvato entstanden. Bertelsmann, der größte europäische Medienkonzern, besitzt unter anderem den Verlag Gruner + Jahr, der auch Capital herausgibt.
Quelle: ftd
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