Soli-Zuschlag I, Aufbau Ost, Soli-Zuschlag II - und nun auch noch Nothilfe für arme Londoner Investmentbanker: Deutsche Angestellte der
Deutschen Bank müssen künftig doppelt solidarisch sein. So jedenfalls will es ihr Chef Josef Ackermann.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank erklärte vergangene Woche, dass die in Großbritannien erhobene Steuer auf hohe Boni wahrscheinlich auf alle Angestellten weltweit und vielleicht auch auf Aktionäre umgelegt werden soll. Möglich ist das, weil die Steuer ohnehin nicht von den Mitarbeitern selbst, sondern aus dem Bonuspool der Banken gezahlt wird.
"Es wäre unfair, die britischen Banker anders zu behandeln", sagt Ackermann zur Begründung. Doch diese Botschaft, pünktlich zum Fest der Friedens und der Nächstenliebe, kommt bei den Mitarbeitern in Deutschland gar nicht gut an.
Zwar geht es am Ende für den Einzelnen nur um geringe finanzielle Einbußen. Dennoch: "Das hat hier schon für Stirnrunzeln und hochgezogene Augenbrauen gesorgt", sagt ein Frankfurter Mitarbeiter der Bank. "Vor der Krise gab es ja auch keine Solidarität. Die hohen Boni in guten Zeiten haben die Londoner nicht mit uns geteilt." Und überhaupt: Könne man dann damit rechnen, dass künftig auch Erhöhungen der deutschen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge global im Konzern umgelegt werden?
Das Verhältnis zwischen den Frankfurter und den Londoner Deutsch-Bankern sei ohnehin nicht das allerbeste - und werde sich dadurch noch verschlechtern, glaubt eine andere Mitarbeiterin des Instituts. So würden oft wichtige Entscheidungen für Frankfurt aus London heraus gefällt. Und "zumindest gefühlt verdienen die Briten auch mehr als wir", sagt sie. Auch Klaus Nieding, Landesgeschäftsführer Hessen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, empört Ackermanns Ansage.
"Wenn man dieser Logik folgt, dann müssten alle Steuerungleichheiten zwischen Ländern innerhalb des Konzerns ausgeglichen werden", sagt er. "Wenn Frankreich eine Luxussteuer auf Autos erhebt und die Mitarbeiter der Bank dort alle Ferrari fahren, dann müsste das wohl auch umgelegt werden." Zudem sende Ackermann ein falsches Signal: Anstatt kritisierte Bonussysteme zu verbessern, presche er mit der Umlage vor.
Beobachter bezweifeln ohnehin, dass die Bonussteuer in großem Stil bezahlt wird. Die Banken basteln schon an Wegen, sie zu umgehen - etwa indem Personal organisatorisch anderen Ländern zugeordnet wird oder Bonuszahlungen einfach zeitlich verzögert werden. Das britische Bonusgesetz läuft im April 2010 aus.
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Quelle: ftd
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