Der 58-Jährige verlasse
MAN auf eigenen Wunsch und mit sofortiger Wirkung, teilte der Lkw- und Maschinenbaukonzern am Montag überraschend mit. "Samuelsson ist zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben sollte", so das Unternehmen. Zum kommissarischen Nachfolger ernannte der Aufsichtsrat das Vorstandsmitglied Georg Pachta-Reyhofen, bislang Chef der Dieselsparte.
MAN steht im Verdacht, den Verkauf von Lastwagen und Bussen über Jahre hinweg mit Bestechungsgeldern angekurbelt zu haben. Gegen Hakan Samuelsson persönlich ermittelten die Behörden nicht als Beschuldigten. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es allerdings, der Manager habe verhindern wollen, als Konsequenz aus der Affäre aus seinem Amt gedrängt zu werden. Branchenkreisen zufolge steht zudem Ferdinand Piëch - der Chefaufseher des MAN-Aktionärs
Volkswagen - nicht mehr hinter Samuelsson.
Der MAN-Chef hatte in den vergangenen Monaten hart durchgegriffen und fast alle Spitzenmanager im Vertrieb ausgetauscht. Über 100 Personen gelten als Beschuldigte. Insgesamt sollen über Jahre hinweg 14 Millionen Euro Bestechungsgelder geflossen sein. Wegen der Affäre hatte MAN einen eigenen Bereich für Korruptionsbekämpfung eingerichtet. Am 11. Dezember sollte Samuelsson im Aufsichtsrat über das Ausmaß der Affäre berichten.
Ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft zeigte sich erstaunt über den Rücktritt: "Wir sind selbst überrascht." Es gebe keine Hinweise, dass sich die Schmiergeldaffäre ausweite.
Die IG Metall hingegen begrüßte den Abgang des Spitzenmanagers. "Mit dem Rücktritt wird nach der Korruptionsaffäre der Weg frei für einen unbelasteten Neuanfang", sagte der bayerische Gewerkschaftschef Werner Neugebauer. Ein Manager wie Samuelsson werde letztlich auch dafür bezahlt, im Zweifelsfall mit seinem Amt für Verfehlungen seines Konzerns zu haften.
An den Märkten sorgte der Rücktritt für Spekulationen hinsichtlich der Lkw-Pläne von MAN-Aktionär Volkswagen. Viele Anleger glauben, dass die Wolfsburger den Konzern nun schneller mit seiner schwedischen Nutzfahrzeugtochter Scania verschmelzen können. Die MAN-Aktie schoss zeitweise um knapp fünf Prozent nach oben und schloss mit einem leichten Plus. Das Papier von Scania stieg in Stockholm zeitweise um 2,2 Prozent.
"Ich bin mir sicher, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen MAN und Scania für 2010 ganz weit oben auf der Agenda des VW-Konzerns steht", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Bislang halten die Wolfsburger knapp 30 Prozent an MAN und 70 Prozent an Scania. Ein Sprecher von Volkswagen wollte sich nicht äußern.
Bereits in der Vergangenheit hatte das VW-Management angekündigt, den Konzern umzubauen und einen Schwertransportbereich zu schaffen. Dort sollen die Marken
Scania, MAN und womöglich die Pkw-Nutzfahrzeuge gebündelt werden.
Samuelsson hatte MAN nach seinem Amtsantritt als Vorstandschef Anfang 2005 saniert und zu einem internationalen Player aufgebaut. Mit dem Kauf des brasilianischen Lkw-Geschäfts von VW im Dezember und einer Beteiligung am chinesischen Lkw-Bauer Sinotruk war der Konzern im vergangenen Jahr zum drittgrößten Lkw-Hersteller weltweit aufgestiegen - nach nach Daimler und Volvo/Renault.
Kursinformationen + Charts
| Unternehmen | ISIN | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| MAN | DE0005937007.DE |
Quelle: ftd
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