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RFID

Die Ware kennt den Weg

Intelligente Chips steuern den Warenfluss. Vor allem Logistikunternehmen profitieren von der Technik. Die Waren werden sekundenschnell auf Vollständigkeit geprüft und automatisch an ihr Ziel geleitet.

Fahren, laden, stapeln: Wie von Geisterhand gesteuert, verrichten orangefarbene Transporter ohne Fahrer im Containerterminal des Hamburger Hafens ihren Dienst. Ohne Unterlass flitzen die flachen Fahrzeuge zwischen Kai und Lager vorwärts, rückwärts, seitwärts, nehmen Container vom Ladekran entgegen und transportieren ihre Fracht ans andere Ende, wo die schweren Metallkisten auf Schiffe verladen werden. Woher sie wissen, was zu tun ist? Rund 12.000 im Asphalt eingelassene Funkchips steuern diese Geisterflotte, ihre Wege zum Schiff und zurück. Der Computer in der Leitzentrale des Containerterminals ermittelt die optimale Route, die Funkchips weisen den Transportern auf dem Hafengelände den Weg.

Möglich macht das die so genannte RFID-Technik, die mit Radiowellen arbeitet; die Abkürzung steht für Radio Frequency Identification. Das Herzstück der Funktechnik ist ein Transponder, ein winziger Computerchip mit Antenne, der an den Waren angebracht wird. Er enthält einen Zahlencode, zum Beispiel den Elektronischen Produktcode (EPC). Alle Informationen auf dem Chip – etwa das Ziel der Ware – werden mit einem Lesegerät wie Handy, Mini-PC oder einer elektromagnetischen Schleuse ohne Sichtkontakt abgerufen. Technisch wenig anspruchsvoll sind passive RFID-Chips, die erst per Funkaufruf ihre Daten preisgeben. Aktive Funkchips besitzen dagegen eine eigene Mini-Batterie und senden selbstständig. Dank Software im Lesegerät werden die Infos zu weiteren EDV-Systemen und Datenbanken übermittelt, etwa zum Warenwirtschaftssystem von Unternehmen.

Flop in der Partyszene

Die kleinen Chips lassen sich vielfältig einsetzen, aber nicht überall waren sie bislang ein Erfolg. Gefloppt ist beispielsweise die Idee eines Clubs in Barcelona. Er bot seinen Gästen vor einigen Jahren an, sich einen winzigen, in Glas gegossenen Chip unter die Haut spritzen zu lassen. Der Chip sollte den Mitgliedern als Eintrittskarte dienen und ein Guthaben für den Verzehr von Cocktails oder Tapas verwalten, das dann beim Verlassen des Clubs ausgelesen werden sollte. Das war den Mitgliedern jedoch nicht geheuer, sie feiern lieber ohne Implantat.

Ganz anders in der Logistik. Gerade beim Warenverkehr entfalten die winzigen Funkchips ihr Potenzial. Bei der Steuerung der Transporter im Hamburger Containerhafen ebenso wie im Norderstedter Auslieferungslager der Rewe-Tochter Penny. Dort werden die Warenpaletten am Eingang automatisch identifiziert und nehmen dann den korrekten Lagerplatz ein. Die Gabelstapler schlagen Alarm, wenn der Fahrer die Ware ins falsche Regal sortieren will.

Weniger Wartezeit, kürzere Wege

Pionier in Sachen RFID ist hierzulande der Einzelhandelskonzern Metro, der bereits vor drei Jahren zur Cebit mit seiner Future-Store-Initiative viele Anwendungen vorstellte. Das Unternehmen ist seit zwei Jahren dabei, die gesamte Prozesskette mit der Funktechnik auszustatten – vom Hochregallager bis in die Supermärkte. Die Vorteile: RFID beschleunigt die Abwicklung des Wareneingangs deutlich, Lkw-Wartezeiten werden verkürzt, Transportwege lassen sich optimieren. Mit RFID-Etiketten können Paletten automatisch registriert und Lieferungen in Sekundenschnelle auf Vollständigkeit überprüft werden. Damit lässt sich die Genauigkeit der Warenwirtschaft erheblich verbessern.

Doch nicht nur große Unternehmen wie der Hamburger Hafen oder Metro profitieren von der Funktechnik – auch im Kleinen funktionieren die Chips. Bibliotheken wollen per RFID sparen und effizienter sein. Statt sich in Listen eintragen zu lassen, halten beispielsweise Besucher der Münchener Zentralbibliothek Am Gasteig ihren Bibliotheksausweis unter einen Scanner und legen Bücher, die sie ausleihen wollen, einfach auf ein Lesegerät. Der integrierte Funkchip speichert sofort alle Daten im System. Beim Abgeben werden die Bücher auf ein Fließband gelegt, das Personal stellt sie nur noch zurück in die Regale.

Mittelständler scheuen nötige Investitionen

Trotz der vielen Vorteile scheuen gerade Mittelständler die Investitionen in die Technik. Das ergab eine Studie des Informationsforums RFID zusammen mit dem Forschungsinstitut für Telekommunikation (FTK). Demnach zeigen die Unternehmen zwar großes Interesse, halten sich jedoch bei der Umsetzung zurück. Während schon fast die Hälfte der rund 90 befragten Großunternehmen mit RFID arbeitet, nutzt gerade einmal ein Fünftel der rund 200 befragten kleineren Unternehmen die Technik. „Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist es oft schwer, die Kapazitäten bereitzustellen, um den möglichen Einsatz genau abzuwägen und bei positiver Entscheidung umzusetzen“, erklärt Simon Japs vom Informationsforum RFID das Dilemma.

Um mittelständischen Unternehmen den Einstieg ins Funkgeschäft schmackhaft zu machen, unterstützt sie das Bundeswirtschaftsministerium. Das Kölner Unternehmen Scheren Logistik beispielsweise startete im vergangenen Jahr sein gefördertes RFID-Projekt namens Prozeus. Das soll die Wareneingangs- und Warenausgangsprozesse sowie der Abläufe im Lager verbessern. Bis zum Projektstart im April des vorigen Jahres scannten die rund 150 Mitarbeiter die Transportetiketten am Warenein- und -ausgang noch per Hand. Ein riesiger Aufwand bei vier Lagern mit einer Kapazität von rund 100.000 Palettenstellplätzen. Heute werden die Paletten und Pakete automatisch von einer RFID-Schleuse gelesen und im Warenwirtschaftssystem verbucht. Mehr als vier Stunden pro Tag spart das Unternehmen damit ein. Die Kostensenkung beziffert Geschäftsführer Jörg Scheren auf rund 40.000 Euro im Jahr.


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