Klar, ein Drittel der Unternehmen geht nur darum pleite, weil sie von den bösen Banken keine Kredite mehr bekommen. Mal anders herum gesagt/gefragt: Wenn also die Banken in diese Unternehmen nicht jedes Jahr immer mehr Kredit reingepumpt hätten, dann wären die schon seit Jahren pleite?!?
Und was soll das letzte Beispiel - der Heizkesselbauer - uns sagen? Seine Hausbank hat den Schwanz eingezogen als er von einem Rückgang des Geschäfts berichtet hat. Erst mal nicht schön. Aber wenn er wirklich genug Aufträge hatte, um sein Geschäft fortzusetzen, dann hätte er auch eine andere Bank gefunden (hat er denn gesucht?), die die Zwischenfinanzierung übernommen hätte. Wenn es allerdings nur auf eine Verlängerung des Sterbeprozesses hinausgelaufen wäre, mit der Gefahr das verliehene Geld nie mehr zurück zu bekommen, klar, dann steigt auch keine andere Bank ein.
Bis zum Herbst 2008 war die Welt für Nischenanbieter noch in Ordnung, erzählt der Mannheimer Insolvenzverwalter Markus Ernestus. Ein Mittelständler etwa, 20 Mitarbeiter, 6 Millionen Euro Umsatz, fertigt speziell für einzelne Auto- und Chemiekonzerne Maschinen - ein Nischenprodukt. Seit den 60er-Jahren schreibt die Firma schwarze Zahlen. Doch dann kommt die Krise. Binnen drei Monaten werden sämtliche Aufträge gekündigt, die Lieferfristen - und damit die Bezahlung - nach hinten verschoben. Im Frühjahr 2009 gibt die Firma auf, Insolvenzverwalter Ernestus muss sie schließen.
"Ohne Aufträge muss das beste Unternehmen in die Insolvenz gehen", sagt Gerd-Uwe Baden, Chef von
Euler Hermes Deutschland. Der Kreditversicherer hat die Insolvenzverwalter von 21.000 Unternehmen befragt, weshalb die Firma pleite ist. Das Ergebnis: Jedes dritte Unternehmen hätte ohne die Wirtschaftskrise nicht Insolvenz anmelden müssen. Oftmals sind die Unternehmer unschuldig an ihrer Lage. Bei den mittelständischen Unternehmen, die von den befragten Insolvenzverwaltern betreut werden, sind im Durchschnitt mehr als die Hälfte aller Aufträge weggebrochen. Betroffen seien vor allem die Autoindustrie, Chemie, Maschinenbau und Elektrotechnik.
"Das Schlimmste liegt noch vor uns", fürchtet Baden. Die 107 befragten Insolvenzverwalter rechnen spätestens 2010 mit einem Insolvenzrekord - dann würde die Höchstmarke von rund 39.000 Firmenpleiten aus dem Jahr 2003 überschritten. Für 2009 erwartet Euler Hermes 35.000 Insolvenzen - 19 Prozent mehr als 2008. Mit 45 Prozent mehr Insolvenzen wird es die Industrie am härtesten treffen.
Neben schwindenden Aufträgen sei die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken der Auslöser vieler Pleiten: 39 Prozent der Befragten nennen die Kreditklemme "die zentrale Ursache" für die Insolvenz. Fast 80 Prozent der Verwalter klagen darüber, dass Banken trotz langjähriger ungestörter Geschäftsbeziehungen beantragte Kredite verweigern.
Auch das hat Insolvenzverwalter Ernestus erlebt, bei einem kleinen Heizkesselbauer aus Baden-Württemberg. Der wollte eigentlich alles richtig machen: Als der Chef im Herbst 2008 merkt, dass das Geschäft schwächelt, informiert er seine Hausbank. "Zu ihr bestand seit Jahren ein Vertrauensverhältnis", erzählt Ernestus. Doch statt sich über offene Finanzkommunikation zu freuen, kündigt die Bank alle Kredite. Ohne Vorfinanzierung kann die Firma ihre Aufträge nicht abarbeiten. "Ich habe noch drei Monate fortgeführt", sagt Ernestus. "Und letzten Freitag geschlossen."
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