13.05.2009
Die Aktienverkäufe lassen vermuten, dass eine Pleite von GM unmittelbar bevorsteht.
Die Aktienverkäufe lassen vermuten, dass eine Pleite von GM unmittelbar bevorsteht.
Foto: dpa-PA

Ausverkauf beim US-Hersteller

GM-Aktien auf dem Stand von 1933

Das Management des Autobauers, darunter auch Europachef Forster, hat offenbar die Hoffnung verloren und verkauft ihre letzten Anteile. Das Papier stürzt auf den tiefsten Stand seit 76 Jahren.

Mehrere Topmanager des Autobauers haben angesichts der drohenden Insolvenz ihre Unternehmensanteile weitgehend verkauft und die GM-Aktie dadurch auf den tiefsten Stand seit 76 Jahren gedrückt. General-Motors-Titel brachen am Dienstag an der Wall Street um über 20 Prozent ein und waren zeitweise nur noch 1,09 Dollar wert - so wenig wie zuletzt 1933. Bei Handelsschluss kosteten sie 1,15 Dollar. Auch Ford-Papiere sackten zeitweise um über 15 Prozent ab. Zur Schlussglocke an der Wall Street kosteten sie 5,32 Dollar und damit 12,5 Prozent weniger als am Vortag. Der Konkurrent hatte mitgeteilt, frisches Kapital aufnehmen zu wollen - durch den Verkauf von 300 Millionen neuen Aktien.

Auch GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster trennte sich dabei von seinen letzten Anteilen. Das gab die Opel-Mutter am Montagabend in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC bekannt. Der Gesamtwert betrug laut SEC fast 315.000 Dollar. Das nährt die Vermutung, dass eine Pleite des einst stolzen Autobauers unmittelbar bevorsteht. Zuvor hatte Henderson eine Insolvenz als nun noch wahrscheinlicher bezeichnet.

Insgesamt verkauften sechs Manager seit Freitag mehr als 200.000 Aktien zu einem Preis zwischen 1,45 und 1,61 $. Neben Forster zählt auch der scheidende GM-Vize Bob Lutz zu der Gruppe, dagegen war GM-Chef Fritz Henderson nicht darunter. Forsters Verkauf war mit knapp 5400 Aktien vergleichsweise klein.

Der Opel-Betriebsrat Klaus Franz reagierte gelassen auf Forsters Verkaufsaktion: "Wegen 5.000 Dollar würde ich keinen Aufstand machen. Ich behalte meine Aktie, für die ich mal 19,62 Euro bezahlt habe", sagte er.

US-Präsident Barack Obama hat GM für einen endgültigen Sanierungsplan eine Frist bis Ende Mai gesetzt. Andernfalls droht eine Insolvenz als letzter Rettungsweg wie derzeit beim Wettbewerber Chrysler.

GM will sich nach seinem jüngsten Sanierungsplan mehrheitlich verstaatlichen lassen. Die bestehenden Aktionäre würden praktisch leer ausgehen. Eine GM-Sprecherin sagte US-Medien, die Verkäufe seien vor diesem Hintergrund zu sehen und kein Beleg für mangelndes Vertrauen in das Unternehmen.

In der vergangenen Woche hatte GM die Märkte mit neuen Horrormeldungen schockiert. Der Hersteller häufte im ersten Quartal ein Minus von 6 Milliarden Dollar an. Das ist bereits der achte Verlust in Folge. Seit Anfang 2005 hat der größte US-Autobauers damit ein Minus von insgesamt 88 Milliarden Dollar eingefahren. Vor einem Jahr lag das Quartalsminus bei rund 3,3 Milliarden Dollar. Der Umsatz halbierte sich fast auf 22,4 Milliarden Dollar. Analysten hatten jedoch noch schlechtere Zahlen befürchtet.

Allein im Europageschäft mit der Hauptmarke Opel fiel vor Steuern ein Verlust von 2 Milliarden Dollar an. Der Umsatz stürzte ähnlich wie im Gesamtkonzern um fast 47 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar. GM lebt derzeit von insgesamt 15,4 Milliarden Dollar staatlicher Kredite.

GM will für sein Europageschäft rund um Opel noch in diesem Monat einen Partner finden. Der russische Autohersteller Gaz bestätigte am Dienstag erstmals Interesse an Opel. Gaz prüfe eine Einladung zu einer gemeinsamen Bietergruppe, teilte das Unternehmen mit.

Dabei wäre der russische Konzern an der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und mit Opel interessiert, sollte der deutsche Hersteller von einer Investorengruppe übernommen werden. Gaz würde dabei die Pkw-Fertigung am Firmensitz in Nischni Nowgorod organisieren. Bisher hatte Gaz ein Interesse an einem Einstieg bei Opel stets zurückgewiesen. Neben Magna ist auch der italienische Autobauer Fiat an Opel interessiert.


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