Das Grundgehalt der Vorstandsvorsitzenden stieg - um Personalwechsel bereinigt - im vergangenen Jahr um neun Prozent. Dies berechnete die Frankfurter Unternehmensberatung Towers Perrin, nachdem die Deutsche Börse als letzter Dax-Konzern die Vergütung ihrer Manager offengelegt hatte. "Es ist verfehlt, Boni-Rückgänge durch ein höheres Grundgehalt zu kompensieren", sagte Studienautor Michael Kramarsch.
Die Gesamtbezüge der Vorstandschefs, die bereits im Vorjahr an der Spitze ihres Konzerns gestanden hatten, fielen 2008 um 24 Prozent auf durchschnittlich 3,7 Millionen Euro. Grund: Wegen sinkender Gewinne und abstürzender Aktienkurse ging der variable Teil des Gehalts zurück. Boni und langfristige Erfolgsbeteiligungen fielen um jeweils 32 Prozent. Das wirkte sich deutlich aus. Denn rund 60 Prozent der Gesamtbezüge von Vorstandsvorsitzenden sind an den Geschäftserfolg gekoppelt.
Bei den Dax-Konzernen müsse das Leistungsprinzip gelten, sagte Kramarsch. "Ein unternehmerischer Vorstand schuldet den Erfolg und muss in schlechten Zeiten auch den Misserfolg gegen sich gelten lassen." Im vergangenen Jahr fiel laut Towers Perrin das durchschnittliche Ergebnis pro Aktie um 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; auch die Aktienkurse brachen auf breiter Front ein. Weil gleichzeitig die Managergehälter zurückgingen, hätten die Vergütungssysteme ihren Stresstest bestanden, sagte Kramarsch. Zuvor waren Unternehmensergebnisse und Vorstandsbezüge jahrelang im Gleichlauf gestiegen.
Topverdiener unter den Dax-Vorstandschefs war im vergangenen Jahr Siemens-Chef Peter Löscher mit 8,5 Millionen Euro, gefolgt von Wolfgang Reitzle (Linde) mit 8 Millionen Euro und Jürgen Großmann (RWE) mit 7 Millionen Euro. Am wenigsten verdiente Martin Blessing von der Commerzbank: Weil sein Institut Staatshilfen in Anspruch nimmt, ist Blessings Gehalt auf 500.000 Euro gedeckelt. Die stärkste Einbuße verzeichnete Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, dessen Gehalt um 92 Prozent sank, weil er auf Boni verzichtete.
Bei Banken mahnte Kramarsch eine Gehaltsreform unterhalb der Vorstandsebene an. In Eigenhandel und Investmentbanking hätten bislang die Mitarbeiter ihre Vergütungssysteme weitgehend selbst bestimmen können. Dadurch sei ein übertriebener Risikoanreiz entstanden. "Bisher hat man die Frösche über das Austrocknen des Teiches entscheiden lassen."
Quelle: capital.de
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