Wie Telekom-Sprecher Frank Domagala der Nachrichtenagentur AFP am Wochenende sagte, sind von dem Datenklau auch Prominente betroffen. "Der Spiegel" berichtete, unter den gestohlenen Daten befänden sich Angaben von Ministern, Wirtschaftsführern, Milliardären und Show-Größen. Das Bundesinnenministerium prüft derzeit eine Gefährdung der hochrangigen Persönlichkeiten.
Der Datenklau ereignete sich bereits im Jahr 2006. Ein Telekom-Sprecher sagte: "Nach unseren Erkenntnissen wurden die Daten am Schwarzmarkt angeboten, es hat aber keinen Abnehmer bisher gegeben." Zudem seien keine Bankdaten, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten abhandengekommen. Die gestohlenen Daten seien in vollem Umfang sichergestellt worden. Für Kunden wurde eine kostenlose Hotline unter der Nummer 0800-330034505 eingerichtet.
Erst zwei Jahre nach dem Diebstahl erfuhren Kunden und Öffentlichkeit von den Vorfällen. Die späte Information begründete die Telekom damit, dass in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft zunächst die Diebe gefasst werden sollten.
Ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Wir ermitteln noch." Das Verfahren richte sich gegen Tatverdächtige. Nähere Einzelheiten wollte auch er zunächst nicht nennen.
Die Opposition fordert nun Konsequenzen: Die umstrittene Vorratsdatenspeicherung müsse sofort zurückgenommen werden, sagte der Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck. Schließlich seien die Daten der Bürger bei der Telekom nicht sicher. Die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz forderte eine verbesserte Datensicherheit.
Seit Monaten ist die Telekom wegen Datenskandalen in den Schlagzeilen. Zuletzt war bekannt geworden, dass der Konzern auch führende Mitarbeitern ausspionieren ließ – darunter Michael Sommer. Der DGB-Chef sitzt im Aufsichtsrat der Telekom.
Auch die Tochter T-Mobile soll nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" ihre Aufsichtsräte überwacht haben. T-Mobile habe die Einzelverbindungsnachweise der Aufsichtsräte jahrelang aufbewahrt und nach Personen sortiert in Ordnern abgeheftet. Betroffen seien auch ein halbes Dutzend Arbeitnehmervertreter, denen die geheimen Ordner nun ausgehändigt worden seien. Nach "FR"-Informationen wurden die Aktenordner bis 2006 im Büro des Aufsichtsrats aufbewahrt. "Die Konzernspitze hat dort jederzeit Zugang", zitierte die "FR" aus Konzernkreisen. "Das muss Absicht gewesen sein."
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert nun den Rücktritt von Telekom-Chef Rene Obermann: "Herr Obermann hat als Krisenmanager auf der ganzen Linie versagt. Durch den neuerlichen Datenskandal ist das letzte Quäntchen Vertrauen bei den Kunden verspielt worden", sagte BDK-Chef Klaus Jansen. Obermann müsse die Konsequenz ziehen, glaubwürdig sei er nicht mehr. "Entweder er wusste nicht, dass in seinem Konzern 17 Millionen Handynummern entwendet wurden oder er hat sein Wissen bewusst verschwiegen. In beiden Fällen ist er nicht mehr tragbar."
© 2008 capital.de

















